Vernetzung IFA Silber

IFA-Trend: Smarthomes aller Marken, vereinigt Euch

30.08.2017

Es scheint so, als hätten die Hersteller verstanden, worauf es im intelligenten Haus ankommt: Ob Busch Free@home, Magenta Smarthome, Home Connect, Tahoma oder Homematic IP – Smarthome-Systeme sprechen miteinander. Endlich!

Einer der häufigsten Anblicke in den Hallen der IFA 2017 sind Partner-Wände wie im Bild oben. Sie zeigen immer wieder, mit welchen anderen Systemen, Vernetzungsstandards und einzelnen Produkten das jeweilige System kommunizieren kann. Die Devise heißt dabei immer häufiger und für immer mehr Hersteller: Die eigenen Talente und Spezialitäten nutzen und diese mit den Eigenschaften anderer Systeme, teils sogar von Konkurrenten zu verbinden. 

Ohne Philips Hue und Sonos wird's duster

Am häufigsten tauchen in den Partnerwänden zwei Produkte auf: Das Leuchtensystem Philips Hue und die Mulitroomanlage Sonos. Diese beiden Smarthome-Klassiker – Philips Hue feiert dieser Tage seinen fünften Geburtstag und ist damit so etwas wie ein Internet-of-Things-Methusalem – bieten jeweils nur einer Kern-Anwendung, dafür lassen sie sich aber von so ziemlich jedem anderen System steuern. Man kann es fast schon umdrehen: Smarthome-System, die weder die eine noch die andere Anwendung steuert, kann vermutlich in den nächsten Jahren so langsam die Lichter löschen. Automatisch, versteht sich.

Busch free@home Sonos
Das Smarthome-System Busch Free@home kann jetzt neben Philips Hue auch Sonos Multiroomanlagen steuern. Foto: Busch Jaeger.

So gibt es sich, dass etwa ein reinrassiges Profi-Smarthomesystem wie Busch Free@home von Busch Jaeger mittlerweile auch Philips Hue Leuchten und Sonos Multiroom-Speaker steuert. KNX-Server wie der Jung Smart Visu Server kontrollieren  mittlerweile ebenfalls die schauen Leuchten. Und auch das auf Fachinstallateure ausgerichtete Funksystem Somfy Tahoma Premium hat sowohl Philips Hue als auch Sonos fest im Griff. Das Kalkül der Hersteller ist klar: Immer mehr Menschen starten mit einem derart einfach beherrschbaren und mittlerweile auch ausgereiften System wie dem automatischen Licht in die Smarthome-Welt. Wenn die Anspruch dann steigen und ein übergreifendes System her soll, dann will ja niemand seine lieb gewonnenen Leuchten wegwerfen.

Spezialisten machen Smarthome-Systeme besser

Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, denn die wahre Interoperabilität beginnt dort, wo sich vermeintliche Mitbewerber an einen Tisch setzen und ihre Komponenten und Funkprotokolle austauschen. Beispiel Schellenberg: Der Siegerländer Mittelständler bietet seit zwei Jahren ein eigenes, durchaus ambitioniertes Smarthome-System an, mit dem sich neben den eigenen Gutwicklern, Rohrmotoren für Rollläden und etwa Garagentorantrieben auch Heizungsthermostate, Licht-Zwischenstecker und andere Komponenten steuern lassen. Dass man den Smarthome-Markt nicht allein aufrollen wird können, ist hier durchaus klar. Es existiert zwar für die Steuerung der Antriebe ein eigenes Funkprotokoll, das eben eine sichere Kommunikation über den Zustand und die Position eines Rollo-Motor detailliert Auskunft gibt, doch das will Schellenberg nicht nur für sich selbst nutzen.


  • Die IFA-Alternative für Smarthome-Interessenten bei Frankfurt: Die 3. große Erlebnismesse „Das intelligente Haus“ am 7./8. Oktober in der Musterhausausstellung in Bad Vilbel bei Frankfurt zeigt Smarthome-Anwendungen und Produkte in eingerichteten Wohnhäusern. Infos gibt's unter www.dih-messe.de und in der Facebook-Veranstaltung. Klicken Sie auf „Interessiert“ oder „Zusagen“ und verpassen Sie kein Update.

Nun startet der Hersteller gleich drei Kooperationen: Die eigenen Komponenten – vor allem natürlich Rollo-Antriebe – sprechen künftig mit der Marken-Kooperation „Smart Friends“, zu der neben Schellenberg auch Abus und die Leuchtenanbieter Steinel und Paulmann gehören und die eine eigene Smarthome-Zentrale vor allem in Baumärkten anbietet. Dazu wird man mit einigen Rollladensteuerungen Partner von Magenta Smarthome bei der Deutschen Telekom. Zu guter Letzt steht auch noch die Integration in das Home Control System von Devolo an - die allerdings laut Schellenberg-Sprecherin Tanja Rockenfeller noch ein paar Monate dauern wird.

Schellenberg Integration
Vier Farben – bunt: Schellenberg nutzt seine Komponenten im eignen System (gelb), im Telekom Smarthome (natürlich Magenta), integriert es in Devolo Home Control (blau) und das Smart Friends System (grün). Bild: DiH 

Das zugehörige Funksystem von Schellenberg wird übrigens über einen USB-Funkstick in das Partnersystem integriert – Magenta Smarthome nutzt diese Option seit dem Start der zugehörigen Qivicon-Plattform vor einigen Jahren.

Schellenberg USB Funkstick
Der Schellenberg-Funkstock integriert das eigenen Funkprotokoll zum Beispiel in die Magenta Smarthome-Zentrale. Foto: DiH

Systeme tauschen ihre Komponenten aus

So ähnlich klappt eine weitere Kooperation, die am Rande der IFA als große Überraschung gehandelt wurde: Digitalstrom will mit seinem „kleinen“ Server dSS IP künftig auch Komponenten aus dem System Homematic IP vom deutschen Hersteller eQ-3 ansteuern. Nutzer können dann fest installierte Komponenten Digitalstrom-typisch über die Stromleitung steuern und daneben etwa Heizkörper-Thermostate, Zwischenstecker oder Raum- und Wettersensoren mit Funktechnik aus dem Homematic IP Sortiment hinzufügen.

Homematic IP Digitalstrom
Gemeinsame Wege: Digitalstrom steuert künftig auch Funk-Komponenten aus dem Sortiment von Homematic IP. Foto: Digitalstrom

Hausgeräte sprechen mit dem Smarthome – und Tesla

Ähnlich sieht es im Lager der Hausgerätehersteller aus. Der Markenverbund BSH, zu dem Geräte der Marken Bosch und Siemens gehören, haben ein eigenes Vernetzungssystem namens „Home Connect“, das alle vernetzten Herde, Kaffeeautomaten, Waschmaschinen und Trockner in einer App zusammenfasst und dort deren Funktionen steuert, Rezepte herausfinden, schlaue Startzeiten programmiert und vieles mehr. Was bisher eher eine Insellösung war, öffnet sich nun einer ganzen Reihe Smarthome-Systeme. Natürlich gehört dazu das Konzerneigene Bosch Smart Home, aber auch das Bus- und neuerdings auch funkbasierte System mit dem originellen Namen „Busch Free@home“ von Busch Jaeger oder die KNX- und IoT-Server-App iHaus vom gleichnamigen München Startup taucht in der Liste auf.

Partner Home Connect
Eine Auswahl der Smarthome-Partner bei Home Connect. Foto: DiH

Über eine spezielle Smarthome-In-Car-App namens Eve rufen sogar Autos der Marke Tesla auf Wunsch unterwegs den Inhalt des Kühlschranks bildlich auf den XXL-Touchscreen auf der Mittelkonsole des voll vernetzten E-Mobils. 

Tesla innen Kühlschrank Home Connect
Wenigstens das Auto weiß, was im Kühlschrank ist. Über die Eve-App lässt sich die Cam in Home-Connect-Kühlschrnken abfragen. Foto: DiH

Amazon Alexa und Google Home mischen mit

Die beiden Sprachsteuerungssysteme von Google und Amazon finden sich indes ebenfalls auf fast jeder Smarthome-Partnerwand. Das ist allerdings weniger verwunderlich, denn im Grunde sind sie ja keine Smarthome-Systeme, sondern nur Steuerungsgeräte – ähnlich wie die App, mit der man jedes Smarthome-System per Mobiltelefon oder Tablet im Griff hat. Warum die Sprachsteuerung so einen Hype ausgelöst hat und warum so manches Mitglieder des Teams von „Das intelligente Haus“ kein echter Fan davon ist? Das steht in einem der nächsten Artikel.

Wie vernetzen sich die Geräte?

Damit zwei Systeme miteinander kommunizieren und sich gegenseitig steuern können, ist eine Art virtuelle Verbindung zwischen ihnen notwendig. Die läuft in der Regel über das Netzwerk. Die beiden Zentralen – etwa die Funk-Bridge von Philips Hue und die Smarthome-Zentrale von Somfy Tahoma Premium – sind dafür im gleichen Netzwerk miteinander verbunden. Dazu ist die übergreifende Zentrale, im Beispiel also Tahoma Premium – so programmiert, dass sie die Zustände der Hue-Bridge auslesen und Befehle im passenden Datenformat an sie schicken kann. 

Damit das klappt, muss Philips die Anwendungsschnittstelle seines Systems – Fachleute nennen sie API oder „Applikation Programming Interface“ – offenlegen, so dass Somfy eben die Befehle und Statusmeldungen in sein System übersetzen kann. 

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