Modulares Smarthome Schneider Wiser Teaser

Flexibel, günstig, modular – Smarthome Funk-Pillen zum Nachrüsten

02.04.2018

Etablierte Hersteller und Startups wollen den Einstieg ins Smarthome einfach machen – mit kleinen Funkmodulen, die ohne weitere Hardware jeden Lichtschalter fernsteuerbar machen. Wie funktioniert das Ganze?

Die Idee hat was: Hinter den Lichtschalter wird ein kleiner Baustein mit elektrischen Anschlüssen montiert. Zwei Kontakte nehmen die Zustände des Schalters oder Tasters auf – also offener oder geschlossener Kontakt. Zwei weitere Anschlüsse werden mit dem Stromkreis verbunden, den der Schalter bisher fest verbunden hat. Der Lichtschalter funktioniert dann weiter so wie bisher, hat aber zwei zusätzliche Funktionen:

  1. Die Taster- oder Schalterbefehle lassen sich über die Funk-Pille an andere Komponenten dieser Art übertragen, so dass der betreffende Taster mehrere Stromkreise bedienen kann.
  2. Und der eigentliche Licht-Stromkreis lässt sich seinerseits auch von anderen Funk-Pillen des selben System ansprechen. 

Diese Unabhängigkeit von Aktion (Schalter/Taster oder auch der Zustand eines Sensors) von der Reaktion (Licht an/aus) ist gewissermaßen die Kernfunktion jeder Smarthome-fähigen Elektroinstallation. So funktionieren auch der KNX-Steuerungsbus, eine Elektroinstallation mit Funk-Technik im Enocean-Standard oder eine Nachrüstung mit Homematic oder einem Z-Wave-Funksystem. 

Funk-Module sprechen direkt miteinander

Die oben beschriebenen digitalen Funkmodule, die man einfach hinter klassischen Lichtschaltern montiert, haben allerdings einen besonderen Charme: Außer den einzelnen Modulen ist zunächst keine weitere Ausrüstung notwendig, um Licht, Jalousien und andere Verbrauchern smart zu steuern. Man kann also zunächst einmal ein einzelnes Zimmer mit der Funktechnik ausstatten. Dafür ist je eines der Funkmodule an jedem Stromkreis notwendig, den man fernsteuern möchte. Lichtschalter werden typischerweise durch die beschriebenen Funkpillen ergänzt. Sie wollen auch die Stehlampe mitsteuern, die an einer Steckdose hängt? Kein Problem – für diesen Fall gibt es reine Empfangs- und Schaltmodule ohne Tastereingang, die sich etwa hinter die Steckdose installieren lassen. Für Wandtaster, die zwei Lichtkreise schalten, gibt es Doppel-Schaltmodule.

Frogblue Frog relay
Schalten und walten: Die Funk-Pillen von Frogblue haben je einen oder mehrere Taster-Eingänge und  Schalt- oder Dimmer-Ausgänge. Foto: Frogblue AG.

Analog verfahren die Systeme übrigens mit Rollo- und Jalousiensteuerungen, teils auch mit anderen Funktionen wie Türkontakten oder der Heizungsregelung über Stellmotoren am Heizkörper. 

In der zweiten Ausbaustufe kommt ein spezielles Bedien- und Schnittstellengerät dazu, das die einzelnen Taster und Schaltermodule zentral pro Raum oder für das gesamte Haus im Blick hat. Eine solche Zentrale stellt in der Regel auch eine Verbindung ins Heimnetzwerk her und ermöglicht so auch eine Fernbedienung per Smartphone-App und übers Internet. Damit wird dann aus ein paar flexibel zuzuordnenden Funk-Schaltern und -Tastern ein echtes Smarthome-System.

Ganz neu ist diese Methode nicht. Funksysteme wie Coviva Smartbox von Hager oder das System Connect von Eaton bieten solche modularen Steuerungsfunktionen schon seit einiger Zeit. Auch im Enocean Funkstandard gibt es Systeme wie etwa die Opus Bridge Schalter von Jäger Direkt, die Taster, Tastsensor und Autor in Einem sind und zusammen mit reinen Funktastern ebenfalls eine elegante Methode zur Nachrüstung bieten. Die Funktaster, Sensoren und Aktoren rund um die Coviva Smartbox von Hager funken untereinander beispielsweise im KNX-RF Funkbus-Standard. Bei Eaton x-Connect kommt ein eigenes Funkprotokoll des Herstellers zum Einsatz. 

Neu wurden auf der Light+Building 2018 vor allem zwei Produkte vorgestellt, die den modularen Aufbau eines solchen Systems besonders deutlich vorführen: Das Wiser Home Touch-System von Schneider Electric sowie die ganz neuen Frogblue-Funkmodule vom gleichnamigen deutschen Startup.


Weiter lesen: Modulare Funksysteme im Vergleich


Sind die Systeme wirklich einfacher? 

Das Konzept der Funk-Pillen hinter klassischen Schaltern ist bestechend einfach und sollte gerade in der Nachrüstung einen Schub für die Smarthome-Technik auslösen. Immerhin ist die Installation der Komponenten für jeden Elektriker kaum komplexer, als einen Dimmer zu installieren. Auch preislich bewegen sich die Module in einem ähnlichen Rahmen. Für Nutzer ist der Einstieg also günstig und einfach, die Systeme lassen sich dennoch künftig immer weiter ausbauen.

Wiser Home Touch Display
Kompakt, einfach zu verstehen, rundum kompatibel: Systeme wie Wiser Home Touch von Schneider Electric sollen den Einstieg in die Smarthome-Technik gerade in der Nachrüstung enorm erleichtern. Foto: Das intelligente Haus 

Allerdings gilt auch: Je simpler die System als Ganzes gestrickt sind und je einfacher seine Bedienung und Programmierung ist, desto weniger vielfältiger werden am Ende seine Funktionen sein. Während etwa „große“ Smarthome-Systeme mit individuellen Benutzeroberflächen, unzähligen steuerbaren Gewerken und vielen weiteren Vorzügen punkten können, sind die Funktionen der einfachen, kleinen und modularen Lösungen eher überschaubar. Erweiterungen dürften hier eher über zentrale Plattformen wie Apple Homekit oder Google Home möglich sein. 

Expertensuche

Fachbetriebe zum Thema in Ihrer Nähe

 

Das könnte Sie auch interessieren

Beim Smarthome Deutschand Award bewerben sich die besten Ideen rund um das intelligente Haus für die Kategorien „Bestes Smarthome Projekt“, „Bestes Produkt“, „Bestes Startup“ und die herausragendste „Studentische Leistung“. Wir stellen die stolzen Gewinner vor.
„Das intelligente Haus“ 1/2018 ist ab 11. Mai neu am Kiosk und beim Bahnhofsbuchhändler Ihres Vertrauens zu haben – und auch als E-Paper. Schwerpunktthema dieser Ausgabe: Sprache im Smarthome – wie Amazon Alexa, Google Home und Apple HomePod Ihr Heim auf Zuruf steuern. 
Niko Herpich und Karina Bosche hatten klare Vorstellungen von ihrem intelligenten Haus. Dass sie mit ihrem smarten und effizienten Konzept dem Haushersteller Okal zu einer begehrten Auszeichnung verhalfen, bestätigt ihre Vision vom smarten Wohnen.