Homekit Slider

Apple Homekit wird endlich erwachsen

04.09.2017

Lange hat es gedauert, doch jetzt kommen endlich die Komponenten, die aus einer iPhone-Spielerei namens Homekit ein echtes Smarthome machen. Zum Beispiel Lichtschalter oder Smartlocks – einige davon sind auch bei der Erlebnismesse „Das intelligenten Haus“ zu sehen.

Der Begriff Homekit und die Apple Home App geistern ja mittlerweile seit gut drei Jahren durch alle Smarthome-Diskussionen und über die Touchscreen der Gerät mit dem angebissenen Kernobst. Wer sich Anfangs einen großen Wurf des Technologiekonzerns aus Palo Alto gewünscht hatten der wurde in diesem Fall auf eine wirklich harte Probe gestellt. Ich selbst etwa hatte schon vor zwei Jahren in der gedruckten Ausgabe von „Das intelligente Haus“ ein recht detailliertes Bild von Apple Homekit gezeichnet – zusammen mit der Aussage, dass es sich hier um ein ziemlich vollständiges Smarthome-Konzept mit sicherer Datenübertragung, einer guten Modellierung des Hauses und umfassenden, übergreifenden Möglichkeiten der Automatisierung handle.

Homekit kommt zäh voran – bis jetzt

Tatsächlich kam Homekit, zeigte eine tatsächlich nicht ganz ungeschickte Heimsteuerung-App und – leider nur recht wenige Komponenten, die sich in Deutschland in das schlaue Haus à la Apple einbetten ließen. Elgato Eve ist seit Beginn dabei. Das System aus Funk-Zwischensteckern, Thermostaten, Raumluft-Sensoren und Tür-/Fensterkontakten mit Bluetooth-Funkübertragung bot zunächst die einzigen Komponenten für die Home-App. Weitere taten sich dauerhaft wirklich schwer.

Der smarte Heizungsthermostat Tado etwa wollte schon vor langer Zeit bei Homekit mitmischen, doch erst kürzlich war die Zertifizierung offenbar abgeschlossen. Philips Hue ist schon länger integriert, aber bis dato nur mit seinen Leuchten, nicht mit den zugehörigen Tastern. Bislang ließen sich tatsächlich keinerlei Schalter in das Homekit-System integrieren. Also smart steuerbare Leuchten oder Verbraucher – aber kein Taster, um auch von Hand zu schalten. 

Jede Menge Homekit-Neuheiten auf der IFA 2017

Die IFA 2017 dürfte als eine Art Wendepunkt in dieser Entwicklung in die Geschichte von Homekit eingehen – auc ohne dass Apple überhaupt auf der Messe vertreten ist. Dafür gehen die Anbieter von Komponenten mit Homekit-Neuheiten in die Vollen. Erste Nachricht: Philipp Hue ergänzt nicht nur sein Sortiment an Hue-Leuchten um eine ganze Reihe Strahler, Tisch- und Deckenleuchten, sondern macht auch seine Taster, Dimmschalter und den Hue-Bewegungsmelder für Homekit.


Video: Die Philips Hue Neuheiten kurz vorgestellt:


Das bedeutet einen ziemlich großen Schritt, nicht nur für die vernetzten LED-Leuchten, sondern auch für jeden, der sie mithilfe des Apple-Systems gemeinsam mit anderen Komponenten schalten möchte. Denn ein Philips Hue-Taster kann künftig eben nicht nur Hue-Leuchtmittel, sondern etwa auch einen Homekit-fähigen Zwischenstecker schalten. So lassen sich Nicht-Hue-Leuchten zusammen mit ihren Philips-Pendants ansteuern – über eine in der Apple Home App hinterlegte Szene.

Taster, Sensoren und Unterputz-Aktoren von Fibaro

Neben Philips Hue und Elgato Eve brachte auch oder polnische Hersteller Fibaro – bisher vor allem bekannt für Z-Wave-Komponenten und den Fibaro Home Center – einige Homekit-Aktoren heraus. Zur IFA stellte auch er eine Reihe Neuheiten vor, etwa einen Unterputz-Aktor nach dem Vorbild entsprechender Z-Wave-Komponenten. Man montiert ihn hinter den Lichtschaler oder in die Verteilerdose vor einer Leuchte und kann diese dann sowohl manuell vom fasert aus steuern als auch über eine Automatisierung per Funk. Einen Homekit-Taster hat Fibaro ebenalls im Angebot.

Fibaro Homekit
Taster, Unterputz-Schalter, Raumluft-Sensor – Fibaro bringt einen Reihe neuer Komponenten für Homekit. Auf Dauer solle das gesamte Z-Wave-Sortiment auch in Homekit-Versionen zu haben sein. Foto: DiH

Elgato Eve rüstet mit Homekit-Geräten auf.

Auch der Homekit-Pionier Elgato kommt mit neuen Homekit-Geräten. Elgato hat kompetente Partner engagiert, deren Produkte man in die Homekit-Welt übersetzt hat – etwa ein vernetzter Rauchmelder von Hager, einen versteckt montierbaren Schutz-Fensterkontakt von Eimsig und die Homekit-Variante des vernetzten Haustürschlosses von Yale. Dazu kommt ein Homekit-Wasserhahnventil für die Gartenbewässerung und ein neuer Heizkörperthermostat mit Display und manueller Steuerungsoption.


Video-Tipp: Elgato-Pressesprecher Lars Felber stellt die Neuheiten der Eve-Serie vor:


Tado, Netatmo und weitere Homekit-Produkte

Neben diesen Systemen drängen eine ganze Reihe weiterer Produkte mit dem Apple-Zertifikat auf den Markt. Tado etwa hat auf der IFA 2017 nicht nur einen runderneuerte App vorgestellt, kurz vor der Messe wurde endlich auch die Homekit-Integration über die neue Tado Bridge fertiggestellt. Ebenso ist der smarte Heizkörperthermostat von Netatmo fit für Homekit. Netatmo bringt auch seine Überwachungskameras Netatmo Welcome (innen) und Presence (außen) in das System mit ein. Durch deren Personenerkennung können sie auch personalisierte Szenen auslösen - also etwa je nach erkanntem Bewohner eine spezielle Lichteinstellung aufrufen.

2018 will auch der Dachfenster-Hersteller Velux ein eigenes System mit Raumluft-Sensoren für die automatische Lüftung und Beschattung über motorisch gesteuerte Dachfenster, Rollläden und Jalousien herausbringen. Es basiert auf den Luftsensoren von Netatmo und soll ebenfalls Homekit-tauglich werden. Damit sind dann auch die Bereiche Beschattung und Klimasteuerung in der Homekit-Welt angekommen – zumindest von einem Hersteller.


Video: Velux Active, das sensorisch betriebene Dachflächenfenster


Auch unter den Smartlocks ist Verstärkung in Sicht: Neben dem Funk-Schloss von Elgato und Yale soll auch das neue Danalock V.3 ab Ende des Jahres in einer Homekit-Version zu haben sein. Weitere dürften in absehbarer Zeit folgen. 

Was weiterhin offen ist und mit Spannung erwartet wird sind Homekit-fähige Gateways, etwa in Smarthome-Systemen auf Basis des batterielos betriebenen Enocean-Funkstandards. Die Firma Weberhaus baut ein solches Gateway bereits heute in seine Fertighäuser mit dem Smarthome-System Weberlogic und dem Heimserver Myhomecontrol von der Schweizer Firma Bootup – Das intelligente Haus hat bereits darüber berichtet. Und bei der Erlebnismesse „Das intelligente Haus“ am 7. und 8. Oktober 2017 in Bad Vilbel ist das Weberhaus mit Homekit-Steuerung ebenfalls live und in Farbe zu sehen.

Haushersteller

So funktioniert Homekit

Häufig wird Homekit mit der Apple-Sprachsteuerung Siri gleichgesetzt und damit auf eine Stufe mit Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Home gesetzt. Das ist nicht ganz korrekt. Apple Homekit ist vielmehr ein Heimsteuerungssystem, das fest in das Betriebssystem iOS von Apple integriert ist und über mehrere Apple-Geräte hinweg mit dem iCloud-System steuer- und fernsteuerbar ist. Die Fernbedienung funktioniert über ein iOS-Gerät oder eine Apple TV-Box, die dauerhaft im lokalen Netzwerk verfügbar ist und den Datenaustausch mit den Homekit-Komponenten managed. 

Homekit umfasst eine vollständige Modellierung des Hauses mit beliebig vielen Räumen und Bereichen – also etwa Stockwerken. Komponenten werden in diese Räume verteilt und dort auch angezeigt. Über die Home-App oder auch andere Homekit-Fähigen Programme lassen sich Komponenten fernbedienen und Automatisierungen festlegen. Dabei beintet Homekit erstaunlich umfangreichen Automatisierungsmöglichkeiten wie etwa eine Astrofunktion (Sonnenaufgang/untergang am Standort), Geofencing für frei wählbare Adressen oder auch vielfältige Zeitsteuerungen nach Uhrzeit Wochentagen oder anderen regelmäßigen Wiederholungen. Das System bietet auch eine Personalisierung: Der Haus-Administrator kann Familienmitglieder in die Homekit-Steuerung einladen und ihnen etwa personalisierte Szenen zuweisen.

Home Apple Logo

Expertensuche

Fachbetriebe zum Thema in Ihrer Nähe

 

Das könnte Sie auch interessieren

Sprachsteuerung, Universaltaster, Hausgeräte und bessere Szenarien-Steuerung: Eine Reihe an Neuerungen sollen das noch relativ neue System Bosch Smart Home in den nächsten Monaten funktional aufwerten. Wir stellen die neuen Features vor.
Smarte Hausautomation schafft Sicherheit, nimmt Arbeit ab und spart Energie. Gira und Jung, die Pioniere der Hausautomation, wollen mit E-Net Smart Home jetzt einen neuen Standard für professionell installierte Funksysteme setzen – und lassen sich dabei von Partnern helfen.
Demnächst im Angebot des Smarthome-Altmeisters: Geofencing. Die Funktion steuert Szenen im Haus automatisch, abhängig vom Standort der Bewohner. Ganz neu ist das allerdings nicht.