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Google gegen Amazon im digitalen Sandkasten

07.03.2018

„Wenn Du die gleichen Förmchen hast wie ich, dann darfst Du nicht in meinen Sandkasten!“ Die Internet- und Hightech-Giganten Amazon und Google liefern sich ein lächerliches Scharmützel um ihre digitalen Errungenschaften – ein Kommentar.

Das intelligente Haus ist in der Regel eine hochgradig vernetzte Angelegenheit. Wenn man's richtig macht, dann spielen Geräte und Systeme verschiedener Hersteller und Systeme zusammen. Eine KNX-Businstallation etwa besteht häufig aus Aktoren, Tastern und Sensoren verschiedener Marken. Die liefert in der Regel alle der selbe Installateur oder Systemintegrator. Hersteller wie Jung, Gira, Hager, Merten, Theben, und wie sie alle heißen, haben allesamt die passende Smarthome-Technik im Programm, legen bei ihren Produkten aber jeweils unterschiedliche Schwerpunkte – und ergänzen sich in Summe ganz prima. Elektriker und Systemintegratoren nutzen die verschiedenen Angebote und stellen für jedes Projekt individuell die passenden Komponenten zusammen.

Ich sprech' nicht mit Jedem! Oder doch?

Und ja, man kann auch unterschiedliche, konkurrierende Systeme verbinden – es gibt Gateways zwischen dem KNX-Bus und der Enocean-Funktechnik, sogar Verbindungen vom Do-it-Yourself-Leuchtensystem Philips Hue in die professionelle Welt des öffentlichen Nahverkehrs per KNX-Haustechnik. Und Systeme wie iHaus aus München, die über einen handelsüblichen Tablet-PC ganz und gar auf die Vernetzung solcher Internet of Things-Gadgets mit professionellen KNX-Installation setzen. Kurzum: Smarthome lebt von der Vernetzung. Das hat sich mittlerweile bis ins tiefe tiefe Tal sauerländischer Schalterhersteller wie Jung und Gira ebenso herumgesprochen wie bis nach Cupertino, wo Apple in den nächsten Tagen (oder Monaten?) sein Homekit nach fast vier zähen Jahren für Smarthome-Gateways öffnet.


Aktuelle Vernetzungs-Trends im Smarthome:


Jetzt also Google gegen Amazon. Beide machen schon lange Zeit ganz ähnliche Dinge: Der Suchmaschinen-Gigant vermarktet Medien, betreibt YouTube, hat Musik- und Film-Shops und vieles mehr. Google verkauft Streaminggeräte und hat neuerdings auch einen Smart Speaker im Programm. Amazon auch. Irgendwann merkten die beiden Unternehmen also, dass sie Vieles ziemlich ähnlich und sich so heftig Konkurrenz machen.

Und raus bist Du!

In den letzten Jahren entbrannte so der Streit: Amazon wollte die Chromecast-Streaminggeräte von Google nicht verkaufen, damit es im eigenen Shop keine Konkurrenz zu den eigenen Fire TV-Boxen und -Sticks gab. Daraufhin sperrte Google die YouTube-App auf den Amazon Streaminggeräten der Fire TV-Serie. Dann brachte erst Amazon, und etwas später auch Google smarte Spracheingabe-Streaming-Lautsprecher heraus, die ebenfalls vieles gleich machen. Die hat die Online-Krämerseele Amazon ebenfalls aus ihrem Shops verbannt. Demnächst sollen alle Smart Home und Streaming-Produkte von Google und deren Marke Nest aus den Amazon-Stores verschwinden, wo gerade erst eine eigene Smarthome-Abteilung eröffnet wurden. Schönes neues Internet-Shoppingerlebnis! 


Nest Cam IQ

 Demnächst nicht im Amazon-Fanshop, dafür bei uns im Test:
 Die Nest Cam IQ


Ich frage mich ja, warum Amazon noch immer iPhones listet, obwohl man mit deren Sprachsteuerung Siri auch verbal das Licht einschalten kann? Und überhaupt sind doch sicher die Apple Handtelefone schuld daran, dass das Fire Phone von Amazon so ein Flop war. Und warum kann man eigentlich den E-Book-Reader Tolino bei  Amazon kaufen, wenn man doch eigene Kindle-Reader und die zugehörigen E-Books im Programm hat? Und warum verkauft der Onlinehändler überhaupt noch Filme auf DVD, wenn man mit Prime Video fast jeden Film an Kunden zu Hause streamen kann?

...dann eben einen Klick weiter

Bemerkenswert: Sucht man bei Amazon heute nach dem Smart Speaker „Google Home“, dann erscheint der nicht im Shop. Aber auf der Ergebnisseite ganz oben steht ein gesponserter Link zum Google-Store, wo es das Produkt zu kaufen gibt – ein Klick darauf kostet Google vermutlich weniger als die typische Amazon-Verkaufsprovision. Und auf Werbeeinnahmen zu verzichten, das wäre dan selbst für Amazon zu viel der Konsequenz. So wird man schließlich nicht zum reichsten Mann der Welt, wie Amazon Chef Jeff Bezos gerade erst geschätzt wurde. 

Doch die Frage ist: Wie geht das weiter? Sperrt die Suchmaschine von Google demnächst Nutzerprofile, von denen aus die Begriffe „Alexa“, „Echo“ oder „Fire TV“ eingegeben wurden? Hat eigentlich schonmal jemand diesen Firmen gesagt, dass Kunden, die im Internet etwas suchen, es ganz sicher ein, zwei Klicks weiter finden? Bei Conrad statt Amazon? Bei iTunes statt Google Play oder Amazon Video?

So lange sich die heiße Schlacht um den coolen Smarthome-Markt der Online-Giganten jedenfalls auf diesem digitalen Sandkastenniveau abspielt, kann die seriöse Industrie gelassen zuschauen. Die hat nämlich in unserer Betrachtung längst verstanden, dass selbst Konkurrenten in der digitalen Welt unterm Strich mehr Erfolg haben, wenn sie sich miteinander vernetzen.    von Reinhard Otter

Sprachdienste im Vergleich

Amazon Alexa bietet mit dem neuen Echo plus neuerdings nicht nur Sprachsteuerung, sondern auch eine Smarthome-Zentrale mit Automatisierungen für kompatible Produkte. Andere Echos bleiben reine Sprach-Befehlsempfänger.

Echo PLus

Google Home Die Antwort von Google auf Alexa bietet ganz ähnliche Funktionen wie  Letztere – also ebenfalls Musikwiedergabe und Sprach-Googeln. Im Smarthome soll auch Google Home mitreden, allerdings hat dieses System bisher nur wenig eigene Intelligenz.

Apple Home Pod Edler, teurer, mehr: Der Siri-Lautsprecher Apple Home-Pod soll im Laufe des Jahres auf den Markt kommen. Neben seiner Funktion als Sprach-Assistent und Streaming-Lautsprecher dient er dann auch als Steuerzentrale für das Apple Homekit Smarthome-System.

Apple Home Pod

Samsung Bixby Die Koreaner haben ihre eigene Sprachsteuerung in ihre neuesten Smartphones integriert. Auf der IFA wurde Bixby auch in Kühlschränken vorgeführt, von wo aus weitere Haushaltsgeräte gesteuert werden können – noch nur eine Demo-Version.  

Samsung Bixby

Microsoft Cortana Dieser Sprachdienst steht noch ziemlich am Anfang. Es gibt neben PCs und Smartphone-Apps noch keine speziellen Audio-Geräte dafür. Die künstliche Intelligenz im Hintergrund gilt aber als fortgeschritten. 

Hey Magentadie Alternative mit deutschem Datenschutz für die vernetzten Dienste und Geräte der Telekom.

Facebook will im Laufe des Jahres 2018 ebenfalls einen Smart Speaker bringen. Ob der dann die Nachrichten von Freunden automatisch vorliest, ist bislang nicht verbrieft.

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