Vaillant Multimatic 700 slider

Vaillant-Heizung lernt die Weltsprache für Energie

06.07.2018

Der vernetzte Systemregler Multimatic 700 verbindet Heizungsanlagen von Vaillant via EEBUS mit anderen Energieverbrauchern und Erzeugern wie E-Autos oder Photovoltaikanlagen. Verfügbare Energie aus PV-Anlagen und künftig im Smart Grid soll so möglichst effektiv eingesetzt werden.

Mit der Energiewende ist das so eine Sache. Je mehr Energie aus erneuerbaren Energiequellen stammt, desto variabel ist diese meist in Form von Strom gewonnene Leistung verfügbar. Scheint die Sonne und bläst der Wind, dann gibt's Strom im Überschuss, herrscht Flaute bei Nacht, dann wird's eng für die saubere Elektrizität. Zwischenspeicher wie etwa Hausbatterien oder, im größten Stil, Pumpspeicherkraftwerke, können die Erzeugungsspitzen bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Doch deren Kapazitäten reichen weder für längere Zeit, noch für den gesamten Energiebedarf im Haus oder im Land. Die Alternative: Der flexible Einsatz großer Energieverbraucher kann ebenso Erzeugung- und Lastspitzen zusammenführen, etwa indem die Heizung nicht in erster Linie dann ihren Wasserspeicher aufheizt, wenn Wärme benötigt wird, sondern wenn Strom verfügbar ist.

Die Heizung spricht mit dem Energiemanager

Damit das klappt, muss die Heizung mit den anderen Komponenten im Energiesektor sprechen. Genau das macht jetzt der neue Systemregler Multimatic 700 von Vaillant. Er beherrscht den übergreifenden Kommunikationsstandard EEBUS, der Heizungen, Hausgeräte, Photovoltaikanlagen, Batterien und künftig etwa auch Ladestationen für Elektroautos über einen Energiemanager miteinander verbindet. Über einen solchen Smarthome-Server für Energieeffizienz lassen sich alle Stromverbraucher im Haus möglichst effizient einsetzen. In einer aktuellen Mitteilung informiert Vaillant etwa, dass der Multimatic 700 Systemregler etwa von Haus aus nahtlos mit dem Wechselrichter und Energiemanager Sunny Home Manager von SMA kommuniziert und so etwa eine Vaillant Wärmepumpe optimal auf die Verfügbarkeit von Photovoltaikstrom vom eigenen Dach abstimmen kann. Der SMA Sunny Home Manager indes beherrscht bereits seit längerer Zeit EEBUS - oder die „Weltsprache für Energie im Internet of Things“, wie die EEBUS-Macher ihren Kommunikationsstandard gerne ganz unbescheiden umschreiben. Der Wechselrichter kann in dieser Funktion beispielsweise vernetzte Hausgeräte von Miele mit Miele@home oder deren Pendants von Bosch und Siemens mit deren System Home Connect automatisch starten, wenn kostenloser Strom vom Dach zur Verfügung steht.

EEBUS Vaillant Grafik
So funkt die Heizung: Die Heimnetzwerk werden der Systemregler Multimatic 700 und der Energiemanager verbunden. Über die EEBUS Kommunikation kann der Energiemanager dann die Heizung etwa mittags bei Sonnenschein den Wasserspeicher aufheizen lassen. (Grafik: Vaillant) 

Damit ist SMA allerdings nicht allein, denn neben deren Energiemanager sind auch Geräte wie der Home Lynk Controller von Schneider Electric sowie in Kürze Energiemanager von Hager oder Viessmann EEBUS-kompatibel – und mit dieser wachsenden Verbreitung wird dann nach und nach tatsächlich eine Weltsprache aus dem Kommunikationsstandard.  


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E-Auto oder Wärmepumpe – wer darf laden?

Die Idee: Bei der Neuanschaffung einer elektrischen Heizungsanlage oder anderen Großverbrauchern soll es zumindest für das Energiemanagement keine Rolle mehr spielen, von welcher Marke die Produkte stammen. Neben der Heizung als bis dato größtem Energieträger im Haus soll das übergreifende Management auch den nächsten Großverbraucher für häuslichen Strom erfassen: Das Elektroauto. Wer künftig immer mehr Menschen E-Autos fahren und ihre Teslas, E-Golfs oder Bytons über Wallboxen in der Garage laden wollen, dann kommt das Stromnetz im Haus ohnehin nicht ohne spezielle Absicherungen aus: Damit das Elektroauto in einer angemessenen Zeit voll geladen ist, braucht es einen Starkstromanschluss. Und damit der nicht die Hauselektrik überlastet, muss sich die Ladestation etwa mit einer elektrischen Heizung abstimmen, wer wann wieviel Strom bekommt.

Denkt man das Ganze einen Schritt weiter, ins örtliche Stromnetz nämlich, dann wird es noch spannender. Schließen immer mehr Autofahrer im Speckgürtel deutscher Großstädte nach Feierabend zeitgleich ihre E-Autos an die Ladestation an, dann verabschiede sich irgendwann das lokale Stromnetz wegen Überlastung. Hier spekulieren Fachleute heute schon über den „E-Mobility Blackout in der Zahnarzt-Allee“ – also dort, wo sich in den kommenden drei bis fünf Jahren schon viele Menschen einen Tesla oder ähnliche Luxus-Elektrolimousinen kaufen dürften. 

VW E-Golf
Zahnarzt-Alleen als Netz-Risiko: Hängen immer mehr Elektroautos nach Feierabend am Stromnetz, dann wird es überlastet. (Foto: Volkswagen AG)

Die Lösung heißt: Flexibles Laden, Voraussetzung dafür wiederum ist ein gewisses Energiemanagement. Und da zu ähnlichen Uhrzeiten wie für beim Start des Ladevorgang zumindest in der Heizperiode auch die Wärme im Haus zur Verfügung stehen sollte, ist es nur sinnvoll, dass auch die Heizung nicht nur mit PV-Anlagen kommuniziert, sondern ebenfalls mit der E-Auto-Ladestation.

Autohersteller kooperieren mit PV-Spezialisten

Vor diesem Hintergrund wirkt es kaum verwunderlich, dass kurz vor der Produkteinführung von Vaillant und deren Kooperation mit Energiemanagern wie dem SMA Sunny Home Manager auch der Volkswagenkonzern erste Pläne zum Energiemanagement für seine E-Auto-Flotte publik gemacht hat. Konzerntochter Audi gab im Juni 2018 bekannt, dass man die Ladetechnik ihrer Etron-Elektroautos mit Energiemanagern von SMA und Hager vernetzen wird – auch hier stellt der EEBUS-Kommunikationsstandard die Verbindung her, so dass die Ladestationen künftig mit allen EEBUS-komaptiblen Energiemanagern und über diese auch mit passend vernetzten Heizungsanlagen und Hausgeräten kommunizieren. Andere Autohersteller und Marken sollten folgen, schließlich sitzt der gesamte Branchenverband VDA in der EEBUS-Standardisierung mit am Tisch, ebenso wie etwa die Ladesystem-Spezialisten des deutschen Herstellers Mennekes. Es bleibt nur abzuwarten, wann die entsprechenden Produkte tatsächlich verfügbar sind.

SMA Audi Kooperation
Audi kooperiert für das Energiemanagement seiner Etron-Ladetechnik mit Energiemanagern von SMA und Hager. Die Kommunikation zwischen E-Auto-Ladestation und der übrigen Elektrotechnik im Haus basiert auf dem EEBUS-Standard. (Foto: Audio AG)  

Was bisweilen in diesem Energienetzwerk noch scheinbar zu kurz kommt, sind Verbindungen des vernetzten Energiemanagements zu klassischen Smarthome-Anwendungen. Doch das ist nicht unbedingt die Aufgabe des Energiemanagements, sondern der einzelnen Produkte. Vaillant etwa verbindet seine Heizungssteuerung nicht nur via EEBUS mit dem Energiemanager. Der Hersteller bietet etwa im Rahmen der Connected Comfort Kooperation auch eine Schnittstelle von der Heizungsregelung zu Smarthome-Systemen wie dem Gira Homeserver und KNX-Zentralen von Jung. Solche Komfortfunktionen sind aber nicht Teil der Weltsprache für Energie, sondern ein eigenes Feature bestimmter Hersteller und Produkte. 

ÜBER EEBUS

EEBUS ist ein Standard für die Datenkommunikation und Steuerung zwischen Geräten und Systemen des vernetzten Energiemanagements über Herstellergrenzen hinweg. Dank des EEBUS-Standards können Solaranlagen, Heizungen, E-Auto-Ladestationen wie auch Elektro-Hausgeräte unterschiedlicher Hersteller miteinander kommunizieren und so die Nutzung der verfügbaren Energie aus dem Stromnetz wie auch aus eigener Produktion optimieren. EEBUS ist ein in Deutschland entwickelt Standard, der sich mit entsprechenden Initiativen und Kommunikationsprotokollen aus anderen Ländern zu einem internationalen Standard für das Energiemanagement weiter entwickelt.

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