Smarthome Funktionen Tado, Bosch, Telekom IFA

Smarthome-Trend: Mehr Service, mehr Gebühren

03.09.2018

Die Elektronikmesse IFA in Berlin ist zur Smarthome-Supershow mutiert. Ein Trend: Dank Updates bieten Systeme wie Tado, Bosch Smarthome oder Vodafone V-Home immer mehr Features. Allerdings lassen sich manche Anbieter den Service mit regelmäßigen Gebühren bezahlen.

Der Einstieg in die Smarthome-Technik ist nicht immer einfach. Auf den ersten Blick klingt es zwar völlig einleuchtend, dass sich zum Beispiel dann das Licht im Flur einschaltet, wenn jemand diesen betritt. Oder dass die Heizung heizt, wenn die Bewohner zu Hause sind – und dann eben nicht, wenn sie unterwegs sind. So spart Smarthome-Technik mit Abwesenheit-Funktionen wie bei Tado ganz automatisch bares Geld und kann zum Wohnkomfort entscheidend beitragen.

Bosch Smarthome: Logik-Programmierung für Anfänger

Damit das alles reibungslos klappt, muss das System für die Steuerung ganz schön vieles beachten. Wer zum Beispiel mitten in der Nacht durch den Flur tapert, der möchte nicht automatisch von einer Festbeleuchtung geblendet werden, sondern im gedimmten Schummerlicht den Weg in die Keramikabteilung finden. Am hellen Mittag muss das Licht im Gang dagegen gar nicht angehen. Man merkt: Neben der einfachen Steuerungs-Beziehung „Wenn Bewegung – Dann Licht“ bringen erst weitere Rahmenparameter echten Komfort in der Heimsteuerung. So hat etwa die Firma Bosch ihr Smarthome-System auf der IFA mit nur wenigen Hardware-Neuerungen ergänzt, dafür aber eben solche Rahmenabfragen in die Software dahinter integriert. Das zugehörige App-Update soll dieser Tage verfügbar sein. 

Bosch Smarthome Szenen programmieren
Mit der neuen App von Bosch Smarthome lassen sich zu Auslöser sowohl verschiedene Rahmenbedingungen als auch mehrere Aktionen zu unterschiedlichen Zeiten verbinden. Screenshots: Bosch.

Solche mehrstufigen Logikprogrammierungen (z.B. Wenn Bewegung im Flur – Und Uhrzeit nach 23 Uhr – Dann Licht auf 20 Prozent Helligkeit einschalten) bieten professionell programmierbare Smarthome-Systeme schon lange. Doch die eher auf Einsteiger ausgerichteten Systeme wie Bosch Smarthome, ähnlich wie auch Innogy Smarthome oder Magenta Smarthome von der Deutschen Telekom bieten eben eher einfachere Programme, bei denen weniger Fragen und Missverständnisse aufkommen. Die Hersteller wollen ihr Kunden schlicht nicht überfordern.

So spielen auch Einrichtungsassistenten mit häufig benötigten Szenarien wie etwa „Guten Morgen“, „Abwesenheit“ oder „Schlafen gehen“ eine immer wichtigere Rolle in solchen Systemen. Sie geben bestimmte Verknüpfungen zwischen Sensoren und Geräten automatisch vor, so dass man sie nur noch auf die eigenen Räume und etwa Leuchten, Heizungselemente und Sensoren anpassen muss. 

Tado: Von der Heizungsautomatik zum Raumklima-Guide

Noch einen Schritt weiter im Software-Service geht etwa Heizungssteuerung-Pionier Tado: Das Münchner Startup bietet bereits seit 2012 einen smarten Heizungsthermostat an, der etwa anhand von GPS-Daten in den Smartphones der Bewohner erkennt, wann jemand zu Hause ist und wann nicht – und die Heizung dann automatisch herunter regelt.


Lesetipp: Das kann der smarte Heizungsthermostat Tado 


Aus dieser Automatik, bei der etwa auch die Luftfeuchtigkeit und die Außentemperatur sowie Lüftungsvorgänge eine Rolle für die ideale Heizungseinstellung spielen können, macht Tado mit dem neuesten Update zur IFA eine Art Heizungs-Expertensystem, das den Nutzer regelrecht anleitet, um seine Räume optimal zu heizen, zu lüften und eine gesunde Luftfeuchtigkeit zu wahren. Das Update besteht aus einer neuen, leistungsfähigeren Hardware und einer ebenfalls neuen, komplett  umgestalteten App, die statt der reinen Anzeige und Steuerung der Heizungsautomatik verschiedene Kacheln bietet, in denen alle Luft-Parameter angezeigt werden.

Tado App 2018
Mit verschiedenen Kacheln, die der Nutzer selbst verteilen kann, erinnert die neue Tado-App ein bisschen an die App-Menüs auf Smartphones. Neben der Heizungsregelung gibt es dabei auch so genannte Widgets für die Luftqualität oder die Abwesenheits-Automatik. Bild: Tado.

Dabei wertet Tado jetzt auch lokale Online-Wetterdaten und Informationen über die Luftqualität vor dem Haus aus und empfiehlt beispielsweise nur dann zu lüften, wenn draußen nicht gerade Feinstaub- oder Pollenflugalarm herrscht. Je nach Einstellung und Funktion erfolgen Anpassungen automatisch oder werden per Push-Nachricht von der App vorgeschlagen. 

Regelmäßige Gebühr für neue Tado-Funktionen

Mit der neuen Klima-Assistenz-App ändert Tado auch sein Geschäftsmodell: Wer die neuen Funktionen nutzen möchte, der muss neben der Hardware auch eine monatliche oder jährliche Nutzungsgebühr zahlen. Die Hardware wurde dafür pro Starterpaket um rund 50 Euro gesenkt, das erste Jahr der Nutzung ist kostenlos. Doch dann werden monatlich 2,99 Euro oder jährlich 24,99 Euro für die Nutzung der Automatik-Funktionen fällig. Nutzer des bisherigen Tado-Systems (Thermostat V2 seit 2014/15) können ebenfalls die neue App laden und nutzen. Sie kostet dann knapp 20 Euro inklusive einer einjährigen Service-Freischaltung aller Automatiken. Oder sie behalten die bisherige App und es ändert sich nichts.

Tado V3 Thermostat Heizungsregler
Die neue Tado-Hardware aus Zentralthermostat und Heizungsregler der Generation V3+ ist laut Hersteller deutlich leistungsfähiger, kostet aber in den Starterpaketen etwas weniger als bisher. Dafür führt der Hersteller eine Servicepauschale ein. Bild: Tado.

Die Einführung der Servicegebühr für den Tado-Dienst hat vor allem bei Besitzern des Systems schon kurz nach der Einführung für einigen Unmut gesorgt, wie in diversen Facebook- und Twitter-Posts nachzulesen ist. Allerdings steht Tado mit diesem Geschäftsmodell keineswegs allein da. Ein ganze Reihe Smarthome-Anbieter mit weit weniger intelligenten Anwendungen verlangen für ihre Dienste eine mehr oder weniger überschaubare monatliche Gebühr: Telekom Magenta Smarthome und weitere Partner auf der Qivicon-Funkplattform verlangen für ihre Smarthome-Systeme eine Servicepauschal von fast 10 Euro pro Monat. Auch Innogy Smarthome verlangt je nach installierter Funktionen regelmäßige Gebühren. Dabei ist zumindest in Sachen Heizungssteuerung keines dieser Produkte auch nur annähernd so schlau wie Tado.

Intelligenz und Weiterentwicklung müssen finanziert werden

Smarthome-Unternehmen haben generell eine Herausforderung zu meistern: Mit dem Verkauf ihrer Geräte können sie zwar gutes Geld verdienen, doch ein Großteil der Entwicklung steckt nicht in der Hardware. Gerade die Heizung- und Raumklima-Intelligenz von Tado kommt zu einem Großteil aus der Cloud. Dort steckt der größte Entwicklungsaufwand, mit dem die Firmen ihre Produkte buchstäblich beim Kunden weiter entwickeln. So lange das Geschäft dynamisch wächst, funktioniert das gut: Immer mehr Neukunden finanzieren die Entwicklung für alle mit. Aber dann? Tado geht jetzt den Weg der Servicepauschale und muss dafür einige Prügel einstecken. Doch im Vergleich zu Anbietern wie der Telekom, deren System ohne eine bezahlte Monatspauschale fast gar nichts mehr kann, bietet die manuelle Tado-Version immerhin einen Teil der Automatisierungen oder ersetzt diese durch aktive Benachrichtigungen. Und Altkunden müssen das Update gar nicht erst mitmachen. Sie können auch schlicht beim aktuellen Funktionsstand bleiben – mit weiterhin kostenloser Automatik in der bisherigen Version. Insofern hat der Hersteller einen recht fairen Weg aus dem Dilemma gefunden.

Samsung Smart Things: Neues System V-Home kostet monatlich

Weniger verständlich: Ähnlich wie Innogy und die Telekom bietet der Telefon- und Kabelnetzanbieter Vodafone mit V-Home seit Juni 2018 ebenfalls ein Smarthome-System an. Das Produkt dazu stammt von Samsung und heißt dort „Smart Things“. Vodafone vermarktet es als Smarthome-Sicherheitssystem, das auch über das Heimnetzwerk Kontakt zu anderen vernetzten Samsung-Geräten wie etwa Family Hub-Kühlschränken oder vernetzten Backöfen aufnimmt. Das System wird von Vodafone zu recht normalen Preisen angeboten – das Starterpack mit Zentrale, IP-Kamera und einigen wenigen Funkkomponenten kostet beispielsweise knapp 340 Euro. Zusätzlich kostet der Service mit Cloudspeicher für Kamerabilder 9,99 Euro pro Monat extra. Das ist im Vergleich zu Telekom, Innogy & Co. üblich, aber auch kein Schnäppchen, zumal das System noch ganz neu auf dem Markt und somit in seinem Nutzen und seinen Funktionen noch eher unbekannt ist.


Nutzungspauschalen sind in vielen Bereichen der Smarthome-Technik üblich – hier ein paar Produkte und Artikel:


Alternative: Mit Profitechnik selbst machen (lassen)

Eine ganze Menge Funktionen in all diesen Produkten ließen sich übrigens mit handelsüblichen Smarthome-Systemen von Profis auch individuell programmieren. KNX-Systeme wie der Gira Homeserver, der Jung Visu Server Pro oder auch funkbasierte Lösungen wie Fibaro Home Center 2 erlauben eine sehr detaillierte Programmierung mit vielen Hilfs-Parametern und Bedingungen. Und ein Cloudspeicher, etwa für Überwachungskameras, lässt sich auch mit einer lokalen Festplatte ohne regelmäßige Kosten realisieren – für  Synology Netzwerkfestplatten etwa gibt es eine kostenlose, recht einfach einzurichtende Videoserver-Software. Dies erfordert aber natürlich eine intensive Einarbeitung und in vielen Fällen auch Support von Fachbetrieben. Und die Geräte sind ebenfalls teurer als die DiY-Systeme. Das sollte unterm Strich die überschaubaren (regelmäßigen) Kosten für die Einsteiger-Systeme relativieren.

Übrigens: Auch Bosch verlangt für die Programmierung, den Fernzugriff und weitere Cloudfunktionen seines Systems bislang keine monatlichen Nutzungsgebühren. Doch das System und sein wachsender Funktionsumfang sind ja auch noch relativ neu auf dem Markt.

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