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Umfrage: Was fehlt noch zum Smarthome-Boom?

21.11.2019

Immer mehr smarte Produkte erobern die eigenen vier Wände. Tatsächlich immer mehr? Längst nicht jeder ist von den smarten Gadgets und Systemen überzeugt. Eine aktuelle Umfrage zeigt, welche Herausforderungen es noch zu meistern gilt.

Vor dem Heimweg per App schon die Kaffeemaschine starten und die Heizung zu Hause aufdrehen. Der Kühlschrank bestellt selbstständig Milch nach und mit dem Öffnen der Haustür gehen im gesamten Wohnraum Licht und Musik an. Von den Annehmlichkeiten eines Smarthome profitieren etwa 20 % der rund 2.000 Teilnehmer einer deutschlandweiten Umfrage des Onlinehändlers moebel24.de. Naja, nicht ganz: Rund 20 Prozent der Befragten nutzen ein oder mehrere Geräte, die in irgendeiner Art und Weise vernetzt sind und im Alltag etwas erleichtern. Will sagen: 400 von 2000 Befragten haben mindestens eine vernetzte LED-Leuchte, eine automatische, per App regelbare Heizungssteuerung oder eine Streaming-Multiroomanlage.

Zahl der Smarthome-Geräte noch überschaubar

Genauer gesagt gaben 16,2 Prozent der Befragten an, dass sie eines bis fünf vernetzte Produkte besitzen. 1,9 Prozent der Teilnehmer haben sechs bis zehn smarte Geräte und 2,3 Prozent haben mehr davon. 42,8 Prozent besitzen derzeit noch keine Geräte mit Netzwerktechnik (oder wissen nichts davon, etwa bei einem Smart-TV, der nicht ans Internet angeschlossen ist), und etwas über ein Drittel (36,8 Prozent) will generell nichts davon wissen.

Am häufigsten werden von den Nutzern smarter Geräte Produkte in den Bereichen Medien (41,3 %) und Beleuchtung (36 %) verwendet – ein klares Indiz für den Erfolg von Produkten wie Sonos oder Philips Hue. Heizungssteuerung (18,2 %), schlaue Küchengeräte (14,2 %) und Sicherheitssysteme folgen mit etwas Abstand. Rund 10 % nutzen automatische Jalousien oder Markisen - Basis dieser Angabe waren die 20,4 Prozent Nutzer vernetzter Geräte, Doppelnennungen sind hier natürlich möglich. 

Privatsphäre contra intelligente Haustechnik 

Bei dieser Verbreitung könnte man sagen, dass im Smarthome-Markt noch großes Potential schlummert. Oder, dass die Produkte vielfach an ihrer Zielgruppe vorbei entwickelt werden. Es ist jedenfalls nichts Neues, dass unter Laien und Interessenten große Vorbehalte gegenüber dem Thema herrschen. Das zeigt auch die aktuelle Umfrage wieder. So sorgen sich etwa die Hälfte der Smarthome-Ablehner (48,6 Prozent von 36,8 Prozent Ablehnern) vor allem um ihre Privatsphäre, wenn Apps und Sprachassistenten das Zuhause steuern. 34,7 Prozent  blicken im Dickicht der verschiedenen Standards nicht durch und wollen deshalb keine smarten Produkte, während 34,2 Prozent das Ganze schlicht zu teuer finden. Auch Geschäftsmodelle mancher Anbieter stehen in der Kritik: gut 22 Prozent der Befragten wollen auf keinen Fall ein Abo für smarte Services im Haus abschließen. Allerdings sehen nur 16,1 Prozent der Smarthome-Skeptiker eine komplizierte Bedienung als Hinderungsgrund. 

Verzerrte Preisvorstellungen

Aufklärungsbedarf besteht auf jeden Fall in der Preisgestaltung intelligenter Haustechnik. Unter den Interessenten wurde nämlich auch gefragt, wieviel die smarte Ausstattung eines Hauses kosten darf. Ergebnis: fast drei Viertel der Befragten wollten bis zu 200 Euro für die Technik investieren. Das ist natürlich ein recht realitätsferner Wert. Für 200 Euro bekommt man in der Regel höchstens ein Starterpack, um beispielsweise die Heizung in einem Raum über ein System wie Eberle Wiser Heat zu regeln. Immerhin waren knapp 9 Prozent der Befragten bereit, bis zu 500 Euro auszugeben. Im Fall der Heizungssteuerung genügt dieser Betrag in etwa für die Nachrüstung einer größeren Wohnung oder eines Einfamilienhauses mit der Tado-Heizungssteuerung.

Ganze 7,9 Prozent der Teilnehmer schließlich schätzten die Ausgaben auf über 5000 Euro. Das ist durchaus realistisch, um ein Haus rund mit einme Funk-Smarthomesystem à la Homematic IPFibaro Home Center 2 oder Wibutler auszustatten. Auch in der Nachrüstung mit einem fest installierten Funksystem wie e-Net Smart Home dürften 5000 Euro ausreichen, um die Basis für eine hochwertige Haussteuerung zu legen.   

Wonach wurde eigentlich gefragt?

Solche Umfragen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen: Welche Fragen wurden gestellt und mit welchen Vorkenntnissen gingen die Teilnehmer in die Umfrage? Immer wieder ist in Umfragen zu lesen, dass bereits zwei Drittel aller Haushalte Smarthomes sind – weil sie mindestens ein vernetztes Gerät besitzen. Würde man hier einen DSL-Router mit WLAN und ein Smartphone mit einbringen, dann hätten wir eine Marktabdeckung nahe 100 Prozent. In den besonders optimistischen Studien startet das Thema Smarthome aber meist beim Smart-TV oder der Multiroomanlage à la Sonos. Hier schien die Fragestellung präziser zu sein, deshalb die geringe, realistischere Verbreitung.

Fazit: Smarthome muss geiler werden!

Von einem Boom ist auf dem Markt für Smarthome-Produkte tatsächlich wenig zu spüren. Die Gründe dafür sind aber vielfältig. Viele potentielle Interessenten haben wahlweise Angst vor dem vernetzten Leben oder können (wollen?) schlicht das Geld dafür nicht ausgeben.

Ersteres ist für Fachleute und IT-Insider einigermaßen unverständlich, wenn man beispielsweise die Verbreitung von Android-Smartphones heranzieht. Die zeichnen den Alltag ihrer Besitzer ziemlich haarklein auf und legen ihre dem größten Internetkonzern der Welt dar. Diese Geräte sind in ihrer Grundeinstellung das Gegenteil einer perfekt geschützten Privatsphäre, eher eine perfekte Vermarktungsmaschine für Online-Werbung jeder Art. Ist aber egal: Das Smartphone ist ein Alltagsbegleiter, ohne den man heute weit gehend abgehängt ist. Und es lässt sich mit etwas Aufwand nach eigenen Vorstellungen mit sicheren Messenger-Apps, Werbe- oder Datenblockern ausstatten, so dass zumindest das Gefühl der Datensouveränität entsteht.

Im Smarthome-Bereich ist das Gegenteil der Fall: Viele Produkte und Anbieter sind hier mit klaren, nachvollziehbaren Datenschutz-Nachweisen unterwegs – auch mit Systemen, die ganz ohne Internetverbindung funktionieren. Da ist aber oft der Nutzen nicht so klar erkennbar. Fazit: Die Produkte müssen hier einfach noch geiler werden! Neben Nutzen müssen sie vor allem auch Spass und Faszination bringen, die man niemandem erklären muss. Nur ist das im Haus eben schwieriger als auf kleinen bunten Bildschirmen.

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