Apple Siri Amazon Alexa Google Home

Das bieten Sprachassistenten und Smartspeaker

12.06.2018

Sprachassistenten von Amazon, Apple und Google bieten in vielen Bereichen des Alltags eine neue Art, Onlinedienste zu nutzen, Musik zu hören oder Geräte zu steuern. Und sie machen sich daran, die Smarthome-Steuerung ganz neu zu erfinden.

Welches sind die berühmtesten Kunstwerke von Leonardo da Vinci? Wie wird das Wetter morgen? Was kommt heute Abend im Fernsehen? Wie weit ist es nach Südfrankreich? Ist das Bügeleisen aus? Häufig besteht der Alltag aus unzähligen Fragen, die wir uns selbst stellen oder mit denen wir unsere Mitmenschen beschäftigen. Endlich gibt es dafür technische Hilsmittel! Dank intelligenter Sprachassistenten können wir viele Fragenheute auch stellen, ohne dass andere Menschen im Raum sind: Ein Triggerwort, gefolgt von der Frage, und schon kann der geneigte Nutzer vor Smartspeakern mit aktiviertem Amazon Alexa oder Google Home Sprachassistenten eine Antwort erwarten. Häufig lautet die dann zwar: „Da kann ich leider nicht helfen, das weiß ich nicht.“ Gerade diese Fähigkeit, Unwissenheit in bestimmten Bereichen offen auszusprechen, lässt die smarten, aber längst nicht allwissenden Fragenbeantworter von Amazon, Google und demnächst Apple so menschlich erscheinen. Sie können damit im Alltag fast genauso nervig sein wie ein humaner Ignorant. Nur beantworten sie auch die hundertste Frage noch freundlich.

Lautsprecher mit Internetzugang

Tatsächlich bieten sich die vernetzten Freisprech-Boxen heute als alltägliche Begleiter für das gesamte Leben an. Sie spielen auf Zuruf Musik aus der eigenen Musikbibliothek oder von Streamingdiensten wie Spotify, Amazon Prime oder Apple Music. Sie geben Webradioprogramme wieder, tätigen Anrufe oder lassen sich Einkaufslisten diktieren, die man später auf dem Handy aufrufen kann. Fragen beantworten sie mithilfe von online gespeichertem Wissen, das sie ähnlich spontan abfragen wie eine herkömmliche Suchmaschine.

Smart Speaker
Die Deutsche Telekom will im Laufe des Jahres einen Smartspeaker mit eigenem Sprach-Service für Telekom-Anwendungen starten. Optional soll der aber auch mit Amazon Alexa und sprechen.

Vom Mikrofon in die Cloud

Die Onlineverbindung haben alle Sprachassistenten gemeinsam: Jede Frage, jeder Steuerungsbefehl wird übers Internet an den Server des Anbieters geleitet, dort nach Bedeutung, Sinn und Zweck ausgewertet – und dann mit dem konkreten Auftrag oder einer Antwort zurückgeschickt. Wer über Google Home, Alexa oder Siri also das Licht einschaltet, der schickt seinen Befehl möglicherweise einmal um die ganze Welt Amazon eröffnete mit Alexa und den Echo-Lautsprechern im Jahr 2015 den Trend der Smartspeaker. Die erste cloudbasierte Sprachsteuerung nach diesem Muster brachte allerdings Apple auf den Markt. Die Sprachassistentin Siri feierte im Oktober 2011 im damals neuen iPhone 4S Premiere. Auch Siri wertet Sprachbefehle online aus und startet dann Anrufe, zeigt  Suchergebnisse aus dem Internet an oder startet Szenen im Smarthome. Der zugehörige Smart Speaker Homepod ist allerdings bis dato nur in den USA, Großbritannien und Australien zu haben. Google Assistant, der Sprachassistent des Suchmaschinen-Konzerns, und sein Smart-speaker Google Home sind die jüngsten Vertreter dieser Spezies. Sie wurden im Mai 2016 in den USA vorgestellt und sind seit Sommer 2017 auch der deutschen Sprache mächtig.


Die wichtigsten Sprachsteuerungen und ihre Smartspeaker im Detail:


Wahrheit oder Pflicht?

Die Sprachassistenten bieten vor allem zwei Grundfunktionen: Sie können Wissen aus den Datenbanken ihrer Betreiber abrufen. Und sie führen auf Zuruf bestimmte Aktionen im Umfeld ihrer Besitzer aus. Im Grunde ist das vergleichbar mit einem Smartphone, das ebenfalls etwa in einer App die Tageszeitung auf den Bildschirm holt, mit einer anderen zur Fernbedienung für die HiFi-Anlage mutiert und über eine dritte Anwendung Smarthome-Szenen aufruft. Der Unterschied: Während man im Smartphone zunächst die jeweilige App startet und dann die Suche startet oder den Befehl absetzt, sollen die Sprachassistenten aus der nahezu natürlichen Sprache ihrer Nutzer selbst herausfinden, was gerade zu tun ist.

Alexa, jetzt kommt ein Befehl!

Einzige Einschränkung: Die Sprachassistenten müssen für jede Aktion mit Namen aufgeweckt werden – wie der Schüler in der letzten Reihe, der Augen und Ohren erst nach einer persönlichen Einladung aufsperrt. Bei den Smart-speakern weckt dieses „Trigger-Wort“ den halb schlafenden Digital-Butler und aktiviert dessen Internetverbindung. Das hat seinen Grund: Alexa, Google und Siri sollen ja nicht permanent mithören und jeden Gesprächsfetzen seiner Besitzer ins Netz der Netze schicken. Nach dem Triggerwort sind die Smartspeaker offen für Fragen oder Befehle. Und hier beginnt für dieschlauen Geister der Ernst des Lebens: Zum Beispiel Hausarbeit.


Große Marktübersicht: Welches Smarthome-System unterstützt welchen Sprachassistenten?


Die Smarthome-Branche macht sich derzeit mit Macht daran, die Sprachassistenten für ihre Dienste einzuspannen. Fast alle Smarthome-Systeme auf dem Markt lassen sich jetzt oder in naher Zukunft über einen oder mehrere Sprachassistenten steuern. Die Tabellen auf diesen und den folgenden Seiten geben einen Überblick über die Sprachsteuerung in den wichtigsten Smarthome-Systemen. Dabei ist es nicht so, dass Alexa, Google und Co. selbst das Haus unter ihre Kontrolle nehmen. Sie sind eher dazu da, um Befehle alternativ zum Fingertippen in Apps oder Tasterbefehlen auszulösen. „Alexa, schalte im Wohnzimmer das Licht aus“, bewirkt schließlich das Gleiche, was auch ein oder zwei Taster können.

Amazon Alexa
Alexa, Licht an! Der Smartspeaker Echo Plus von Amazon hat ein eingebautes Zigbee-Funkmodul. Damit kann er vernetzte LED-Leuchten wie Philips Hue, Ledvance Smart+ oder Ikea Tradfri direkt ansteuern. (Foto: Philips)

Schalten, ohne zu berühren

Immerhin klappt die Sprachsteuerung über Smartspeaker im ganzen Raum und ohne zu wissen, welcher Taster welche Leuchte steuert. Und natürlich kann man so nicht nur einzelne Verbraucher an- und abschalten, sondern auch mehrere Befehle verbinden. Der Befehl „Ok Google, ich bin müde“ kann je nach Ausstattung der Haustechnik eine ganze Reihe Funktionen auslösen – Licht dimmen, Anlage leiser machen und den Weg in Richtung Bad und Schlafzimmer erhellen, damit man unterwegs nicht stolpert. Der Begriff des Smartspeakers legt nahe, dass der „intelligente Lautsprecher“ Eingaben selbstständig versteht, die entsprechenden Aktionen erkennt und selbstständig auslöst. Doch ganz so weit sind die Sprachassistenten noch nicht. Sie funktionieren zumindest in der Heimsteuerung zum größten Teil auf Basis von zuvor programmierten Aktionen. Im Falle von Amazon Alexa und Google Home sind die Smartspeaker und deren Sprachservice eher Fernbedienungen als echte Smarthome-Devices. Komponenten aus Licht, Beschattung und Haustechnik lassen sich zwar einzelnen Räumen und Gruppen zuordnen. Logische Beziehungen zwischen verschiedenen Funktionen stellen die Sprachassistenten aber nicht selbst her: Alexa kann zwar Licht und Rollos bedienen. Dass aber automatisch das Licht angeht, sobald Rollläden herunterfahren und jemand zu Hause ist, das muss in dem Smarthomesystem programmiert werden, das Alexa als Fernbedienung nutzt.


Mehr über Sprachsteuerung erfahren:


Sonderfall Apple

Etwas anders sieht es bei Apple und Siri aus. Parallel zur Entwicklung des Spachassistenten baute der Hersteller ein eigenes Smarthome-System in sein Mobilgeräte-Betriebssystem iOS ein: Homekit. 2014 war davon erstmals die Rede, mittlerweile gibt es vor allem im Nachrüstungsbereich eine Reihe vernetzter Geräte, die sich in das System integrieren lassen. Allerdings sind die technischen Kriterien für die Aufnahme in den Kreis der „Works with Homekit“-Produkte sehr streng, da Apple einen hohen Standard in der Datenverschlüsselung fordert. Doch seit einigen Wochen hat Apple diese Hürden gesenkt und damit die Weichen dafür gestellt, dass künftig mehr Smarthome-Systeme homekit-kompatibel werden. Einige vielversprechende Ankündigungen gab es bereits auf der Branchenmesse Light+Building 2018.

Apple Homekit
Apple hat die Weichen gestellt, dass künftig mehr Smarthome-Systeme Homekit-kompatibel werden. (Foto: Busch-Jaeger)

Der Unterschied zu Amazon Alexa und Google Home: Apple Homekit ist selbst ein vollständiges Smarthome-System, in dem sich alle verknüpften Produkte miteinander verbinden, gemeinsam steuern und automatisieren lassen. Homekit lässt sich über die integrierte Home-App in iPhone oder iPad steuern – oder auch über Programme anderer Entwickler. Siri und der Homepod sind damit keine zusätzlichen Fernbedienungen, sondern Teil des Smarthome-Systems. Gerade für Profi-installer ist das eine interessante Entwicklung: Sie können künftig Häuser mit Basisfunktionen wie Licht, Rollos oder Heizung  vernetzen und die Komponenten in Homekit integrieren. Der Nutzer kann dann eigene Homekit-Produkte nachrüsten und diese nahtlos in die Steuerung einbinden. Allerdings sind derzeit nur wenige Profisysteme aus dem KNX- oder Enocean-Umfeld homekitkompatibel.  

Eine Auswahl der aktuellen und angekündigten Schnittstellen mit Homekit-Support und anderen Sprachsteuerungslösungen finden Sie in der Galerie unten.

Fazit

Sprachsteuerung geistert seit den 1990er Jahren durch die Computerszene, doch so langsam wird ein Schuh daraus. Die Smartspeaker lösen zwar nicht urplötzlich jede Frage der Heimsteuerung. Aber immerhin haben die großen Internet-Konzerne Amazon, Apple und Google Produkte entwickelt, welche die Online-Kommunikation auf eine neuen Ebene heben.


BILDERGALERIE - Bitte klicken Sie zur Großansicht auf die Bilder:

Spachsteuerung und Datenschutz

Statt Fingertippen lassen sich Befehle jetzt leicht erlernbar verbal geben. Natürlich wirft das auch Fragen auf. Zum Beispiel: Wer schützt meine Daten und meine Privatsphäre, wenn ein Onlinedienst aus den USA alle Sprachbefehle verarbeitet und speichert?

Mehr zum Thema Datenschutz: Sind Sprachassistenten moderne Datenkraken?

Expertensuche

Fachbetriebe zum Thema in Ihrer Nähe

 

Das könnte Sie auch interessieren

Auch ganz ohne Kernsanierung werden bestehende Gebäude smart - wir zeigen wie Ihnen, wie Sie mit Funktechnik und ein paar Einbauten Ihr Smarthome gestalten.
Neben seinem modernen und doch behaglichen Erscheinungsbild überzeugt das Weberhaus Musterhaus in Fellbach auch durch eine umfassende Smarthome-Ausstattung mit Sprachsteuerung. 
Per Foto-Schnelltest können Interessenten mit Gira-Jalousieschaltern und -Dimmern mit dem Smartphone herausfinden, ob ihre Installation fit für das Funksystem E-Net Smarthome ist. Dabei gibt's sogar etwas zu gewinnen.