Slider_Elektroinstallation im Smarthome planen Online-Tools im Test

Elektroinstallation im Smarthome richtig planen

06.02.2020

Einfach drauflos bauen? Das funktioniert weder mit den eigenen vier Wänden noch bei der Elektro- und Smarthome-Ausstattung. Online-Planungstools helfen, einen ersten Eindruck vom eigenen intelligenten Haus zu gewinnen. Wir haben acht Tools getestet und bewertet!

An jeder Ecke zwei Steckdosen, neben die Tür ein Lichtschalter und im Wohnzimmer eine Antennendose. Die Planung der Elektroinstallation und der Medienverteilung im Haus war einmal recht simpel. Das ist allerdings schon lange her. Man könnte lamentieren, dass alles immer komplizierter wird. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die moderne Ausstattung unserer Gebäude bringt auf der anderen Seite viel Nutzen: Erst mit einer sicheren Netzwerk-Versorgung können Sie in jedem Zimmer auf dem Tablet Netflix schauen oder über die Multiroom-Anlage vom Hobbykeller bis ins Gäste-WC das ganze Haus mit der Musik-Flatrate aus dem Streamingdienst Ihres Vertrauens beschallen. Und dann kommen noch die Vorzüge der intelligente Smarthome-Ausstattung dazu. Kurzum: Wer sich mit der Elektrotechnik in den eigenen vier Wänden beschäftigt, muss entweder einem Fachmann blind vertrauen oder sich selbst zumindest ein Stück weit in die digitale Elektrotechnik einarbeiten, um sich ein Bild machen zu können, welche Ausstattung benötigt wird und was dafür investiert werden muss.

Die gute Nachricht: Sie sind dabei nicht allein. Es gibt heute allgemein festgelegte Standards für die Ausstattung von Wohnräumen, etwa mit Steckdosen, Lichtkreisen, Medien- und Netzwerkanschlüssen. Die zugehörigen Ausstattungsniveaus für eine praxisgerechte einfache, mittlere oder gehobene Elektroausrüstung wurden von der Standardisierungsorganisation RAL verbindlich festgelegt und sollten jedem Elektriker geläufig sein. Nachzulesen sind sie beispielsweise in Publikationen des Branchenverbands Elektro+. Bauherren sollten Angebote dabei stets in einem bestimmten Ausstattungsniveau abfragen, denn nur so bekommen sie eine gewisse Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Anbietern.

Wenn es um die Ausrüstung des Hauses mit intelligenter Steuerungstechnik geht, dann gehen Sie am besten noch einen Schritt weiter und informieren sich selbst, was man alles fernsteuern und automatisieren kann. Dabei sind Konfigurations-Tools eine große Hilfe. Mit ihnen können Sie Ihr persönliches Smarthome am digitalen Reißbrett entwerfen. Das ergibt jeweils eine detaillierte Auskunft über die eingesetzten Komponenten und den ungefähren Kostenrahmen – auch im Vergleich zur klassischen Elektrotechnik.

Die meisen Online-Tools gehen dabei ähnlich vor wie die Modellplanung eines Neuwagens: Man wählt zunächst die Leistungsklasse oder die persönlichen Vorlieben, dann die Ausstattungsvariante und das Design sowie am Ende die verschiedenen Extras. 

1.) Tink: Bosch Smart Home

Tink ist ein Onlineshop rund um Smarthometechnik – mit Beratung und Blogartikeln für Nachrüster.

Smarthome-Fragebogen
Auswahl zwischen einer Wohnung, einem Haus und einer Gewerbeeinheit. Anschließend fragt der Konfigurator Details zum Objekt ab. Beispiel: Wie viele Räume sollen mit Smarthome-Produkten ausgestattet werden? Wie viele Fenster gibt es dort?
Welche Produkte und Systeme?
Der Tink-Konfigurator plant ausschließlich mit Bosch Smart Home Produkten, also Funk-Nachrüstkomponenten in den Bereichen Einbruchschutz, Brandschutz und Heizungssteuerung.
Ergebnis
Warenkorb inklusive Paket-Rabatt im tink-Onlineshop: Der Bosch Smart Home-Konfigurator trifft eine Vorauswahl aus dem Produktportfolio. Die vorgeschlagene Anzahl der Komponenten kann hier angepasst oder Produkte entfernt werden. Dazu zeigt der Konfigurator den kompletten Paketpreis an.
Plus: Installations-Service (ab 500 Euro gratis), Paket-Rabatte.
Minus: Wenig anschauliche Konfiguration, trotz unabhängigem Shop-Portal nur Bosch Smart Home Produkte.

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2.) Busch Smarthome Konfigurator

Busch-Jaeger bietet hier eine Planungshilfe für eigene Produkte.

Elektroplanung mit Grundriss
Man gibt die Zahl der Zimmer und Etagen an und wählt Ausstattungs-Niveaus sowie „smart“ oder „konventionell“. Daraufhin plant das Tool in einer Grundrissansicht die gesamte Elektro-installation. In einer individuellen Planung lässt sich auch individuell der eigene Grundriss detailgetreu nachbauen und Dose für Dose ausstatten. In Detailansichten mit Designs und Preisen.
Welche Produkte und Systeme?
Als Smarthome-System nur für Busch Free@Home, dazu plant der Konfigurator auch Steckdosen, Antennen-/Netzwerkanschlüsse, Jalousiensteuerungen und Lichtauslässe in Zimmern.
Ergebnis
Detaillierter Bericht über zig Seiten, mit dem sich der Feierabend-Planer dann an den Elektriker seines Vertrauens wendet und in die Feinplanung geht.
Plus: Sehr detaillierte Darstellung, Preisangaben für Geräte.
Minus: Recht komplex zu bedienen, lange Ladezeit, nur für Busch Free@Home Produkte.


Weiterlesen: Neues Tool für die Smarthome und Elektroplanung


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3.) DiH by Feelsmart

Feelsmart ist ein Systemintegrator, der ein eigenes, unabhängiges Konfigurations-Tool für Smarthome-Systeme entwickelt hat und mit Herstellern und verschiedenen Medien kooperiert.

Konfiguration in drei Schritten
Nachbildung des eigenen Zuhauses anhand von Raumdaten wie Größe und Anzahl der Fenster/Türen; Ausstattungsniveau und Schalterdesign wählen, Smarthome-Funktionen ergänzen.
Welche Produkte und Systeme?
Die Feelsmart-Version von „Das intelligente Haus“ plant KNX-Systeme von Jung und Gira. Weitere Hersteller sollen folgen.
Ergebnis
PDF-Dokumentation mit Listenpreisen, ohne Kosten für die Inst­al­lation. Den zugehörigen Feelsmart-Code können Fachbetriebe, die mit Feelsmart arbeiten, in ihre Profi-Version des Konfigurators einlesen und auf dieser Basis weiter planen.
Plus: Schnelle und dennoch detaillierte Planung, verschiedene Ausstattungsniveaus, Preisangaben für Hardware, hersteller­unabhängige Fachpartner-Suche in der DiH Expertendatenbank.
Minus: Keine anschauliche Darstellung in Räumen, konfiguriert nur KNX-Systeme.


Lesetipp: Der Online-Konfigurator für Smarthome und Elektroplanung


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4.) Gira Home Assistant

Der Hersteller Gira erlaubt die Planung der Elektroinstallation.

Bedarfsabfrage Schritt für Schritt
Das sehr detaillierte Planungstool geht ähnlich vor wie Feelsmart, frägt aber im ersten Schritt weitere Punkte zum Bauprojekt ab wie Neubau oder Renovierung, Haus oder Wohnung, einzelne Räume oder ein ganzes Objekt. Entsprechend vielfältiger sind die Ergebnisse.
Welche Produkte und Systeme?
Der Konfigurator schlägt für jede Planung die passenden Produkte des Gira-Sortiments vor, etwa aus der Gira Türkommunikation, per Bluetooth und App steuerbare System 3000-Funkschalter, e-Net Smart Home oder KNX.
Ergebnis
Eine anschauliche Zusammenfassung der individuellen Konfiguration mit Infos zu den Produkten und eine Preiseinschätzung. Damit kann man einen Fachpartner in der Nähe ansprechen.
Plus: Hilft bei der Systemauswahl zwischen konventioneller Technik, Funklösungen und KNX, Preisangaben, Gira Fachpartner-Suche.
Minus: keine anschauliche Darstellung in Räumen, konfiguriert nur Gira Produkte.

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5.) Hager Elektrokosten-Guide

Der Elektrohersteller Hager berät auf seiner Webseite Bauherren über viele Aspekte der Haustechnik – auch mit dem Planer.

Schritt für Schritt zur Beispielrechnung
Zunächst wählt man einen Ausstattungstyp, der mit Eckpunkten wie dem gewünschten Designanspruch, Erweiterbarkeit, Smartness und Bedienkomfort dargestellt wird. Dann das Niveau  – von der Standard- bis Premiumausstattung. Schließlich ist der Haustyp zu wählen, der dem eigenen Haus am Nächsten kommt.
Welche Produkte und Systeme?
Es geht um Hager-Produkte – von der konventionellen Elektroinstallation über Funklösungen bis zur KNX-Ausrüstung mit Heimserver: Je nach Ausstattungsniveau sind verschiedene Funktionen enthalten. Weitere lassen sich auswählen.
Ergebnis
Dem Namen entsprechend bietet das Ergebnis eine Orientierung anhand eines Beispiels – einschließlich Komplettpreis. Diese Zusammenstellung gibt‘s auch als PDF. Per PLZ-Suche findet der Nutzer den nächstgelegenen, passenden Elektrobetrieb.
Plus: Verständliche Erklärungen, Verschiedene Ausstattungsniveaus und Techniken, Komplettpreise, Elektriker-Suche
Minus: Keine individuelle Konfiguration, nur Hager Produkte.

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6.) Jung by Feelsmart

Feelsmart bietet hier eine auf Jung-Produkte spezialisierte Version seines Konfigurators an.

KNX-Ausstattung mit dem Lieblings-Schalterdesign
Wie in der DiH-Version wird das eigene Zuhause mit allen Zimmergrößen, Türen und Fenstern in eine Art tabellarischen Grundrissplan eingetragen. Dann folgt die Wahl des Jung-Schalterprogramms. Die unterschiedlichen Ausstattungspakete bildet der Konfigurator in vier Stufen ab und ergänzt auf Wunsch noch Steuerungspakete für Beschattung, Energiespar- und Sicherheitsanwendungen aus dem Programm von Jung.
Welche Produkte und Systeme?
Hier geht es um alle Designlinien an Tastern aus dem Jung-Sortiment sowie die zugehörigen KNX-Steuerungsgeräte.
Ergebnis
Der Konfigurator spuckt eine Dokumentation mit Listenpreisen aller Komponenten aus und exportiert diese in eine PDF-Dokumentation. Die Weiterleitung und Fachbetrieb-Suche erfolgt hier unter allen KNX-Fachbetrieben der Firma Jung.
Plus: Schnelle, einfache Konfiguration, verschiedene Ausstattungsniveaus, Preisangaben für Hardware, Fachpartner-Suche.
Minus: Konfiguriert nur KNX-Systeme von Jung.


Mehr erfahren: Jung by Feelsmart plant das Smarthome wie ein Auto


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7.) Lebensräume Konfigurator

Der Konfigurator wurde von Elektro-Großhändler Alexander Bürkle in Freiburg entwickelt. Die Firma betreibt ihn heute in Kooperation mit weiteren Großhändlern in anderen Regionen.

Umfassende Bedarfsanalyse und Planung
Zunächst wird gefragt, welche Schwerpunkte man setzen will – etwa Sicherheit, Entertainment oder Komfort. Dann lassen sich Räume anlegen und Funktionen darin wählen: Licht, Heizungssteuerung, Türkommunikation, Multimediavernetzung, App-Steuerung... Räume und Etagen werden als 3D-Animation simuliert.
Welche Produkte und Systeme?
Der Konfigurator schlägt mit den Angaben Elektro- und Smarthome-Komponenten aus dem Sortiment der Großhändler vor, auf Wunsch auch Audio-/Video-Geräte. Als Smarthome-Systeme kommen ein Funksystem von Eldat, KNX-Komponenten oder Digitalstrom zum Einsatz.
Ergebnis
Planung mit unverbindlicher Preisschätzung, Elektriker-Empfehlungen in der Nähe.
Plus: Differenzierte Konfiguration mit Preisangaben, System-Vielfalt, anschauliche Animation, Fachpartner-Suche.
Minus: Zuordnung von Eingaben und Ergebnis teils nicht ganz nachvollziehbar, recht unbekanntes Funksystem.

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8.) Loxone Smarthome Konfigurator

Der Hersteller Loxone bietet ein Planungstool überwiegend für Fachbetriebe. Aber auch ambitionierte Bauherren können sich hier in den Aufbau des Systems einarbeiten und einen Überblick über die verschiedenen Funktionen und Komponenten gewinnen.

Bedarfsanalyse & Konfiguration
Ob für Neubau oder Nachrüstung – im Loxone Smarthome Konfigurator können aus neun verschiedenen Smarthome-Kategorien Produkte für die individuellen Wunschfunktionen gewählt werden. Alternativ plant das Loxone Planungstool die Smarthome-Ausstattung auch Raum für Raum. Zur Auswahl stehen außerdem verschiedene vorkonfigurierte Smarthome-Fertigpakete für alle denkbaren Wohnungs- und Hausgrößen.
Welche Produkte und Systeme?
Es geht hier nur um Smarthome-Komponenten von Loxone und einige Partner-Systeme.
Ergebnis
Eine Stückliste als PDF-Download mit den Daten der Konfiguration und Listenpreisen aller Geräte. Mit Verbindung zum Shop.
Plus: Vorgefertigte Konfigurationen zum Abruf und Bearbeiten, Preisangaben
Minus: Nur Loxone Produkte, als System-Orientierung und Konfigurator für Laien nicht geeignet.

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Fazit

Keines dieser Planungstools ersetzt die Beratung durch einen Fachbetrieb oder gar deren professionelle Werkplanung. Sie bereiten den Dialog mit dem Fachbetrieb vielmehr vor und helfen Ihnen dabei, sich über ihren eigenen Anspruch und die Möglichkeiten der Technik klar zu werden. Dadurch sprechen Sie später auf Augenhöhe mit dem Fachmann.

Systeme

Nachschlagewerk

Infobox

Die Initiative Elektro+ bietet Bauherren gute Basisinformationen zu den Standards und Anforderungen der Elektroinstallation. www.elektro-plus.com

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