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Küchenplanung: Anschlüsse für Geräte und smarte Technik vorsehen

02.12.2016

Laut einer Studie des Branchenverbandes ZVEI erfüllen die wenigsten Küchen die Mindestanforderungen an eine zeitgemäße Elektroinstallation. Bei der Küchenplanung im Altbau und Neubau sollte man genügend Steckdosen einplanen und die Voraussetzungen für vernetzte Geräte schaffen.

Die technische Ausrüstung des Haushalts geht in vielen Fällen in der Küche los. Unzählige Elektrogeräte unterstützen Sie beim täglichen Kochen. Hier stehen auch die leistungsstärksten Verbraucher im Haushalt: Geschirrspülmaschine, Kühl-Gefrierkombination, Elektroherd, Dunstabzugshaube, Dampfgarer, Mikrowelle, aber auch Kleingeräte wie Kaffeemaschine, Toaster, Wasserkocher und Mixer suchen in der Küche Anschluss. Für einen einwandfreien und sicheren Betrieb der Geräte ist eine ausreichende Anzahl an Stromkreisen und Steckdosen notwendig. Das sollten Sie bei der Küchenplanung beachten, denn gerade in älteren Gebäuden mangelt es häufig schlicht an Steckdosen. 

Wenn man noch einen Schritt weiter denkt und etwa Medientechnik, eine Unterbringung für das Rezepte-iPad oder gar vernetzte Küchengeräte wie etwa die neuen Home Connect Modelle von Bosch und Siemens oder Geräte von Miele@Connect einplanen möchte, dann steigen die Anforderungen an die Elektroinstallation noch weiter.

Sechs bis acht Steckdosen in der Küche sind zu wenig

Eine aktuelle Studie des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) zeigt, dass Küchen in Eigenheimen durchschnittlich mit lediglich knapp acht Steckdosen ausgestattet sind, in Mietwohnungen sind es im Schnitt sogar nur 5,6 Steckdosen. Dies entspricht nicht einmal den Mindestanforderungen der Ausstattungswerte nach dem Standard RAL-RG 678 für eine zeitgemäße Küchenplanung in puncto Stromanschlüsse.

Die Ausstattungsnorm sieht mindestens 17 Steckdosen vor. Die Folge: Rund 74 Prozent der Eigentümer und 62 Prozent der Mieter nutzen in der Küche Mehrfachsteckdosen. Als dauerhafte Übergangslösung sorgen die nicht nur für Komforteinbußen, sie können auch buchstäblich brandgefährlich werden. Die dünnen Anschlussleitungen und billige Nachahmer Produkte vieler Steckdosenleiste überhitzen schnell und können so im schlimmsten Fall einen Brand auslösen. Die Initiative Elektro+ empfiehlt daher für größtmögliche Sicherheit und Komfort eine Nachrüstung fehlender Steckdosen, Stromkreise und Sicherheitseinrichtungen in der Elektroinstallation. 

Elektroausstattung richtig dimensionieren 

Damit im Alltag auch mehrere Kleingeräte parallel genutzt werden können, sind im Rahmen einer Modernisierung Steckdosen im Bereich der Arbeitsfläche grundsätzlich mindestens als Zweifach-, besser als Dreifach-Steckdosenkombination auszuführen. Bei der Küchenplanung muss der zuständige Fachbetrieb dafür die Anschlusswerte berücksichtigen, um sowohl die Leitungen als auch die Geräte und Leitungsabsicherung gemäß der Wattzahl auszulegen. Das führt bei einer Nachrüstung häufig dazu, dass etwa zusätzliche Sicherungen eingebaut werden müssen. Vorteil: Die Gefahr sinkt, dass die Sicherung auslöst, sobald Sie Mikrowelle, Mixer und Wasserkocher gleichzeitig einschalten. 


Weiterlesen: So verbinden sich Küchengeräte und Smarthome


Einen Festanschluss mit eigenem Stromkreis benötigen der Backofen, die Kochmulde – selbst wenn derzeit ein Elektroherd als Kombigerät von Backofen und Kochmulde besteht – und etwa ein separater Dampfgarer. Der Anschluss aller anderen Geräte erfolgt über Steckdosen. Um die Elektroinstallation nicht zu überlasten, sollte laut Elektro+ folgende Faustregel gelten: Geräte mit einer Anschlussleistung über 2.000 Watt benötigen einen eigenen Stromkreis, auch wenn sie über Steckdosen betrieben werden. Hierzu zählen etwa Geschirrspüler, Backöfen und viele Mikrowellengeräte. Dabei empfiehlt sich, in der Küchenplanung den Einsatz von Steckdosen mit integriertem erhöhten Berührungsschutz vorzusehenn. Alle Steckdosen müssen heute außerdem mit Fehlerstrom-Schutzschaltern (FI-Schaltern) geschützt sein. Sie erkennen, wenn bei defekten Geräten oder Leitungen ein Teil des Stromes nicht auf dem ordnungsgemäßem Weg fließt und unterbrechen sofort den Stromfluss. 

Elektro Küche alt
Vorher: Mehrfachstecker und Kabelsalat herrscht vor, um alle Küchengeräte anzuschließen.
Elektro+ Küche neu
Nachher: Mit einer ausreichenden Zahl an Steckdosen in der Wand wird's deutlich übersichtlicher – und sicherer.

RAL-Richtlinie erleichtert die Planung 

Wertvolle Orientierung bei der Küchenplanung und der zugehörigen Elektroinstallation gibt die Richtlinie  RAL-RG 678 des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung, der in drei verschiedenen Ausstattungsstufen für die herkömmliche Elektroinstallation beschreibt, welche Anforderungen eine gut ausgestattete Elektroanlage in jedem Raum erfüllen muss. Der mittlere  Ausstattungswert 2 etwa sieht heute in Küchen 21 Steckdosen vor. Außerdem werden eine Telefonanschlussdose und eine Antennensteckdose für Multimedia-Anwendungen empfohlen. Befindet sich in der Küche eine Essecke, ist hier zusätzlich eine Steckdose vorzusehen – etwa für den Toaster.

An die Zukunft denken 

Bei einer Modernisierung sollten Sie auch dem Trend der intelligenten Gebäudetechnik Rechnung tragen. Nur wer vorausschauend plant, kann später Funktionen wie Heizung, Beschattung, Licht oder auch Elektrogeräte vernetzen und automatisieren, so dass die Smarthome-Technik auch in der Küche Einzug halten kann. Die technischen Voraussetzungen dafür legen die sogenannten plus-Ausstattungswerte nach RAL fest. Der Ausstattungswert 2 plus etwa sieht in der Küchenplanung unter anderem einen Raumtemperaturregler, einen Präsenzmelder und pro Fenster einen Schalter zum automatischen Auf- und Abfahren der Rollläden vor. Die Initiative Elektro+ empfiehlt außerdem den Einbau von Leerrohren. Durch sie lassen sich später ohne erneute Stemm- und Verputzarbeiten weitere Leitungen einziehen, falls sich die Geräteausstattung oder die Nutzung ändern. 

Elektro plus Richtlinie Stufen
Gut für die Planung:Die Initiative Elektro+ nutzt die RAL-Richtlinien, um Elektroplanern und Kunden eine vergleichbare Planungsgrundlage bereitzustellen, auf deren Basis sich unter anderem auch Angbeot problemlos vergleich lassen. Die „plus“-Ausstattungswerte beziehen sich auf eine Elektroausstattung einschließlich der Vorbereitung für Smarthome-Technik.

Für die Einbindung von vernetzten Elektrogeräten wie etwa dem Kühlschrank mit Innenkamera, Backöfen mit App-Steuerung übers Netzwerk oder eine vernetzte Espressomaschine empfiehlt es sich allemal, bei der Neuplanung einer Küche – ebenso wie in allen anderen Räumen des Hauses – bereits heute auch mindestens einen Netzwerkanschluss vorzusehen. Die Initiative ELEKTRO+ des deutschen Elektrohandwerks bietet rund um die Planung der Elektroinstallation einen speziellen Modernisierungsratgeber an, in dem die verschiedenen Standards näher beleuchtet werden.  Diese steht auf der Website der Initiative zum kostenlosen Download bereit.

Systeme

Vernetzte Küchengeräte

Diese Beispiele für vernetzte Küchengeräte gibt es heute schon:

  • Kühlschränke mit Familiy-Hub Funktion von Samsung, die eine Art stationäres Tablet in der Türe wie auch Kameras im Inneren besitzen und so Nachrichten anzeigen, den Inhalt des Kühlschranks auf Wunsch aufs Handy des Hausherrn schicken und weitere Funktionen erfüllen.
  • Home Connect Geräte von BSH (Bosch Siemens Hausgeräte): Kühlschränke, Öfen, Waschmaschinen, Kaffeeautomaten und andere Geräte mit einer einheitlichen App-Steuerung und einer möglichen Anbindung an das Energiemanagement im Haus.
  • Miele@Home, Miele@Mobile – ähnlich wie Home Connect verschiedene Geräte mit Netzwerk- und App-Anbindung sowie damit verbundenen Zusatzfunktionen. Zum Beispiel Waschmaschinen mit automatischer Dosierungsfunktion, die ihr Waschmittel selbst nachstellen, wenn es zur Neige geht.
  • Smarter iKettle 2.0 – WLAN-Wasserkocher, der morgens zu einer bestimmten Zeit das Wasser auf eine wählbare Temperatur vorheizt oder erkennt, wenn jemand nach Hause kommt und dann ebenfalls Wasser zum Kochen bringt.
  • Vom selben Hersteller: Die  Smarter Fridge Cam, eine Kühlschrank-Kamera zum Nachrüsten, die einem jederzeit zeigt, was sich noch in den Kühlregalen zu Hause befindet. 

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