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Wie gut ist die Fritz!Box als Smarthome-Zentrale für Einsteiger?

28.01.2017

Der Berliner Anbieter AVM baut seine DSL-Internetrouter zusammen mit Funk-Aktoren für Aufgaben der Heimsteuerung aus. Jetzt im Test: Wir haben ausprobiert, wie viel Smarthome die Fritz!Box heute schon bietet.

Fritz ist einer der ältesten Genossen im digitalen Heimnetzwerk. Bereits die ersten ISDN-Datenkarten des Berliner Herstellers AVM hörten in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts auf diesen Ur-Deutschen Namen. Heute ist die Fritz!Box als Oberbegriff eine Art Ur-Enkelin dieser Pioniere aus der Zeit der ersten privaten Internetanschlüsse überhaupt. Millionen DSL- und Kabelrouter von AVM stehen heute in Haushalten, immer mehr dieser Fritz!Boxen dienen nicht nur als Internet- und WLAN-, sondern dank ihrer DECT-Basisstationen auch als Telefon-Zentralen. 

Die Fritz!Box funkt über den ULE-Funkstandard

An der DECT-Funktion aller aktuellen – und einer ganze Reihe bereits älterer – Fritz!Boxen hängt indes ein weiteres Talent: Die Heimsteuerung. Unter dem Menüpunkt "Smart Home" in der Abteilung "Heimnetz" des Web-Steuerungsmenüs hat AVM in den letzten drei Jahren mit fortlaufenden Software-Updates der Boxen eine kleine Smarthome-Zentrale verschafft, für die Fritz!Box-Nutzer keinen Cent bezahlen müssen. Der Clou: Neben dem Funk-Telefonstandard DECT kommunizieren die Router auch über den für das Smarthome vorgesehenen Funkstandard "ULE" – bisher auch "DECT ULE" genannt. Das Funkprotokoll ist für die Kommunikation zwischen Geräten vorgesehen, wobei es gegenüber anderen Standards wie etwa Z-Wave oder Zigbee bisher noch weniger verbreitet ist. 

 

Fritzbox DECT Smarthome
Alle neueren Fritzbox-Modelle mit DECT-Telefonfunktion bieten die gleichen Smarthome-Funktionen. Foto: AVM 

Passend für diesen Funkstandard bietet AVM mittlerweile drei steuerbare Komponenten an, die sich über die Smarthome-Funkton der Fritz!Box steuern lässt: Die beiden schaltbaren Steckdosen Fritz!DECT 200 (innen, um 45 Euro) und 210 (außen, um 60 Euro) sowie der Funk-Heizkörperthermostat Fritz!DECT 300 (Preis um 60 Euro) – siehe auch die Bildergalerie weiter unten. Der Funk-Heizkörperthermostat stammt vom deutschen Hersteller Eurotronic und ist von diesem auch unter dem Namen „Eurotronic Comet DECT“ einige Euro günstiger zu haben. Diese Komponenten lassen sich an allen Smarthome-tauglichen Fritzboxen über deren Web-Menü Handgriffen anmelden, über alle zugehörigen Steuerungsgeräte und Apps fernsteuern und in einigen Belangen auch recht clever automatisieren.


Lese-Tipp: Neue Smarthome-Funktionen der Fritzbox – Steuerung von Fremdgeräten 


Fritzbox Smarthome Menu Komponenten
In der Weboberfläche der Fritzbox lassen sich die einzelnen Funk-Komponenten anmelden und programmieren. Bild: Otter 

Fritz!DECT 200/210: Per Zeitplan und Verbrauch ein- und ausschalten 

Die schaltbaren Steckdosen der Fritz!DECT-Familie bieten eine ganze Reihe Funktionen. Sie lassen sich etwa über die Fritz!Box ferngesteuert ein- und ausschalten – also etwa über die zugehörigen Fritz!Fon-Telefone, die AVM zu seinen Routern anbietet. Oder über die Smartphone-App „myFritz“, mit der sich alle Funktionen der Fritzbox übers Heimnetz wie auch von außerhalb über das Internet steuern lassen. Daneben lassen sich auch Zeitschaltungen und andere Automatisierungen einrichten. Man kann so etwa die Außenbeleuchtung nachts oder das Radio morgens automatisch einschalten lassen. Die Konfiguration dieser Automatiken erfolgt über das Webinterface der Fritzbox, die innerhalb des Heimnetzwerkes über die universelle Adresse „fritz.box“ erreichbar ist.

Neben der Schalt-Funktion sind in die Funk-Steckdosen auch eine Reihe Sensoren eingebaut, die sie seit dem neuesten Fritzbox-Update von AVM auf Version 6.80 für verschiedene Szenarien nutzen können: Sie messen beispielsweise den Strom, der durch sie fließt, und können sich dann abschalten, wenn dieser unter einen eingestellten Wert sinkt. So lässt sich etwa an der Audio-Video-Anlage im Wohnzimmer beim Abschalten des TV-Gerätes automatisch der Standby-Verbrauch der gesamten Anlage deaktiveren. Beim nächsten Start muss man dann nur den Strom wieder manuell einschalten. Das geht auf Wunsch auch ganz ohne App – über einen kleinen Schalter an der Funk-Steckdose. Praktischer Nebeneffekt: die Fritz-Funksteckdosen messen den Verbrauch aller angeschlossenen Geräte, die Fritzbox sammeln diese Daten auch über längere Zeiträume und zeigt sie an – so helfen die Funksteckdosen dabei, Stromschlucker im Haushalt aufzuspüren

Energieanzeige AVM Fritz Box DECT 200
Über die Smarthome-Menüoberfläche lässt sich anzeigen, wieviel Strom die Geräte an der Fritz!DECT 200 verbraucht haben. Bild: Otter

Die Rückkehr des Klatsch-Lichtschalters

Außerdem haben die Funksteckdosen einen Geräusch-Sensor. Seit dem letzten Update auf Version 6.8 der Fritzbox-Software lassen sie sich damit etwa per Klatschen ein- und ausschalten – oder indem man ein Geräusch in einer bestimmten Lautstärke, definiertem Frequenzbereich und Findest-Dauer im Menü festlegt. So lässt sich das Licht im Wohnzimmers auch mit einem Pfiff starten.

AVM Fritz Deck 200 Klatschen Menu
Im Smarthome-Menü lässt sich einstellen, welche Art von Geräusch die Funksteckdose Fritz!DECT 200 schalten lässt. Dabei ist aber viel Tüfteln notwendig. Bild: Otter

Das Ganze ist in der Praxis allerdings noch eher eine Spielerei – ähnlich wie die vor 20 Jahren einmal verbreiteten Klatsch-Lichtschalter, die sich auch nie wirklich durchsetzten. Die Klatsch-Funktion etwa erforderte im Praxistest entweder ein sehr herzhaftes Klatschen, oder eine sehr geringe Schwelle für die Empfindlichkeit, mit der es dann immer wieder auch Fehl-Schaltungen gab. Wer die Funkton ernsthaft einsetzen möchte, der braucht viel Zeit und Muße zum Experimentieren.

Fritz!DECT 300: Heizungssteuerung per Zeitschaltung

Die Heizungssteuerung mit den Funk-Heizkörperthermostat Fritz!DECT 300 lässt sich ebenfalls in der Fritzbox-Menüoberfläche aufrufen. Hier hat AVM zunächst für jeden Funk-Thermostat eine eigene, grafisch organisierte Zeitschaltung vorgesehen, i oder man zwischen Komfort- und Spartemperatur umschalten kann. Auch eine Urlaubs-Temperatur und die zugehörige Einstellung für Tage der Abwesenheit ist vorgesehen. Bisher mussten Nutzer diese Heiz-Zeitpläne für jeden Heizkörperthermostat einzeln eingeben. In der neuesten Software-Version 6.80 hat AVM nun eine Gruppen-Funktion eingeführt, mit der sich mehrere Heizkörper gemeinsam mit Zeitplan und Temperaturen regeln lassen – das spart einigen Aufwand bei der Installation und Programmierung. Es lassen sich übrigens auch mehrere Schalt-Steckdosen als Gruppen zusammenlegen, etwa um das Licht in mehreren Räumen zeitlich auszuschalten.


Lese-Tipps:


AVM Fritz DECT 300 zeitschaltung
Die Zeitschaltung der Funk-Heizkörperthermostate Fritz!DECT 300 lässt sich auf einer grafischen Wochenanzeige mit der Maus justieren. Bild: Otter

Ein paar weitere praktische Funktionen runden die Heizungssteuerung ab: Die Temperatur lässt sich beispielsweise per App, Weboberfläche und Fritz!Fon manuell anpassen, ebenso wie an den Heizkörpern selbst. Die Stellentriebe haben eine Thermostat-Anzeige und ein Steilrädchen zur Korrektur. Außerdem bieten sie eine Lüftungs-Automatik, mit der sie einen plötzlichen Temperatursturz beim Öffnen eines Fensters bemerken und dann für eine einstellbare Zeit das Ventil schließen. Die Empfindlichkeit dieser Automatik lässt sich justieren. 

Fazit: Simpler Smarthome-Einstieg mit Perspektive

Fritzboxen sind in erster Linie hochwertige DSL-Router und daneben auch praktische DECT-Telefonzentralen. Sie steuern trotz gleichnamigem Menüeintrag und wachsender Funktionsfülle aber noch längst kein vollständiges Smarthome. Doch gerade in der geringen Einstiegshürde liegt der Charme dieser Lösung. Wer eine Fritzbox mit DECT-Funktion nutzt und einfach mal sehen möchte, wieviel Strom der Kühlschrank verbraucht – oder das Bad morgens (und nur morgens) wärmer als die übrige Wohnung vorheizen möchte –, der kann hier getrost zugreifen. Die Komponenten haben vernünftige Preise, die Programmierung erfordert keine Ausbildung zum Systemtechniker und die Fernsteuerung per App, Automatik oder gar über Fritz-Schnurlostelefon ist kinderleicht. Dass AVM sein System langsam aber sicher ausbaut, beweist der Hersteller seit mehreren Jahren. Und dass andere Systeme wie etwa Telekom Smarthome mittlerweile auch den ULE-Funkstandard unterstützten, spricht dafür, dass die Investition in die Geräte nicht umsonst ist, auch wenn man irgendwann auf ein größeres, vollständiges Smarthome-System vom Profi aufsteigen möchte.   ro


BILDERGALERIE - Bitte klicken Sie zur Großansicht auf die Bilder:

Systeme

ULE – Ultra Low Energy

Neben AVM und den Fritzboxen nutzen derzeit nur einige wenige Systeme den ULE-Funkstandard, etwa das Sicherheitssystem Gigaset Elements, das von einem anderen großen Anbieter für DECT-Telefontechnik kommt – eben Gigaset. Daneben arbeitet auch das Smarthome-Sicherheitssytem des japanischen Herstellers Panasonic mit dem ULE-Funkstandard. Die Systeme von AVM Fritz!Box, Gigaset Elements und Panasonic Smarthome sind allerdings nicht miteinander kompatibel, da sie in ihren Betriebsprogrammen jeweils nur ihre eigenen Funk-Komponenten unterstützen. 

Auch in der neuen Homebase, der Funkzentrale des Systems Telekom Magenta Smarthome, ist mittlerweile ein DECT-Funkchip verbaut, der den ULE-Funkstandard unterstützt. Diese Funktion dürfte in Zukunft auch dieses System für Komponenten wie die Fritz!DECT-Geräte öffnen.

Homebase Telekom Smarthome

Bei dem Funk-Übertragungsstandard selbst ist der Name Programm: "Ultra Low Energy", also extrem wenig Energie soll die Datenübertragung über dieses Funkprotokoll benötigen. ULE hieß bisher DECT ULE und ist damit auch der sparsame kleine Smarthome-Bruder des weltweit verbreiteten Schnurlostelefon-Funkstandards DECT, auf dessen Technik ULE basiert. Alle Firmen, die diese Stande unterstützen, sind in der ULE-Alliance organisiert. 

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