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A+ wird G: Alles über die neuen EU-Energielabel

20.01.2021

Energiesparen ist angesagt. Das unterstützen die Energielabel der Europäischen Union auf Elektrogeräten, Leuchtmitteln, TVs und vielen anderen Produkten. Die Regeln dafür werden schärfer, um die effiziente Geräte noch besser zu kennzeichnen. Wir zeigen, was mit dem neuen EU-Energielabel auf uns zukommt.

Der globale CO2-Ausstoß muss sinken. Also bleibt keine andere Möglichkeit, als mit der wertvollen Ressource „Energie“ sparsamer umzugehen. Dafür gibt es unzählige Bereiche und Ansatzpunkte – etwa die EU-Energielabel für alle möglichen Geräte, die im Haushalt  Strom verbrauchen. Der kommt zwar zu einem immer größeren Anteil aus erneuerbaren Quellen wie Photovoltaik oder Windkraft und wird damit klimafreundlicher. Auch innovative Stromtarife wie Awattar helfen dabei, die wechselnde Erzeugung mit passendem Verbrauch zu steuern. Sparsame Verbraucher können ihren Verbrauch mit Energiemessern wie Smappee oder intelligenten Stromzählern optimieren, indem sie Stromschlucker herausfinden und diese austauschen. Andererseits steigt der Gesamtbedarf an Strom, da Elektroautos und elektrische Wärmepumpen als Ersatz für fossil betriebene Autos und Heizungen dazukommen – und damit viele neue, besonders hungrige Verbraucher.

Warum tragen gerade Stromverbraucher ein EU-Energielabel?

Strom gilt als der Energieträger der Zukunft. Experten sprechen deshalb bei der Energiewende auch vom Übergang in die „All Electric Society“ und schätzen, dass der Strombedarf weltweit bis 2050 auf das Vier- bis Fünffache steigen wird. Gleichzeitig wird die Stromversorgung immer flexibler und digital gesteuert, etwa durch vernetzte Energiemanager.  Das alles ist kein Horror-Szenario, denn Sonne und Wind liefern weltweit rund um die Uhr Energie. Man muss sie nur ernten, transportieren, speichern und schlau verteilen. Dabei zählt jede gesparte Kilowattstunde, um künftig mit Strom auch Häuser heizen, Autos bewegen oder Wasserstoff herstellen zu können.

Die Europäische Union gibt schon seit Jahren den Takt an, um technische Produkte effizienter zu machen – und dies zu kommunizieren. In fast allen Lebensbereichen zeigen die Energieeffizienzlabel der Europäischen Union – kurz: EU-Energielabel – Verbrauchern an, ob ein Produkt besonders sparsam ist oder nicht. Die Label sollen zugleich die Hersteller antreiben, mehr Entwicklungspower in die Effizienz zu setzen als etwa in immer stärkere und schnellere Produkte.

Welche Produkte haben EU-Energielabel?

Zunächst für Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Wäschetrockner und Geschirrspüler gestartet, gibt es heute EU-Energielabel auch für Leuchtmittel, TV-Geräte und PC-Monitore. Und neben elektrischen Geräten werden auch Heizungsanlagen und ganze Häuser in Energieklassen bewertet. 

Typischerweise unterteilt das EU-Energielabel Geräte in Effizienzklassen von A bis G.  Durch immer sparsamere Produkte wurde diese Klassifizierung in den letzten Jahren um Plus-Zeichen erweitert, sodass die sparsamsten Geräte heute ein A+++ tragen dürfen. Unter Haushaltsgeräten ist dies so weit verbreitet, dass man im Laden bisweilen vor lauter Plus-Zeichen die Geräte kaum mehr sieht.

Was ändert sich am EU-Energielabel konkret?

Zum 1. März 2021 werden viele der EU-Energielabel neu eingestuft und gekennzeichnet, Für elektrische Verbraucher kommen nicht nur neu gestaltet EU-Energielabel heraus, auch die Einstufung in Effizienzklassen wird neu berechnet und vergeben. Künftig gibt es nur noch die Klassen A bis G. Mit den vielen Plus ist Schluss, und die Bewertungen werden strenger. Dazu kommt ein Paradigmenwechsel, der die Kennzeichnung grundsätzlich auf den Kopf stellt: Das zuständige EU-Komissariat für Energie gab vor, dass die beiden besten Klassen A und B in allen betroffenen Kategorien zunächst leer bleiben sollen. Sie dienen künftig zunächst als eine Art Effizienz-Reserve für künftige, noch sparsamere Innovationen.

Welche EU-Energielabel bekommen typische Haushaltsgeräte künftig?

Auf Basis der Vorgaben aus der EU-Komission machten sich Arbeitsgruppen daran, die einzelnen Gerätegruppen neu zu bewerten. Die Ergebnisse sind in den folgenden Beispielen zu sehen. Heutige A+++-Hausgeräten etwa landen tatsächlich überwiegend in den Klassen C und D. Damit gelten sie als durchschnittlich effizient und haben folglich noch Luft nach oben.

EU-Energielabel Kühlschrank
Bei Kühlschränken ändert sich nicht nur die Klassen-Einstufung für das Energielabel, sondern auch die Messmethode für den jährlichen Verbrauch und die Bewertung der unterschiedlichen Temperaturfächer innerhalb eines Gerätes. Deshalb wurde im Beispiel oben ein höherer theoretischer Jahresverbrauch ermittelt. (Montage: Redaktion, Original-Labels vom Hersteller)

Diese Einstufungen machen tatsächlich Sinn, nachdem in den letzten Jahren vor allem bei den Kühlschränken, Waschmaschinen und Geschirrspülern kaum mehr Geräte unter der besten Klasse A+++ im Laden standen. Hersteller we etwa Samsung warben bereits mit eigenen Angaben wie „A+++ -10%“ für Geräte, die nochmals deutlich unter den EU-Grenzwerten der besten Klasse verbrauchten. Die neuen Label-Klassen unterscheiden feiner und lassen noch Luft für eben solche Effizienzgewinne.

Energielabel Geschirrspüler
Dieser Geschirrspüler von der Marke Bosch rutscht im neuen EU-Energielabel aus A+++ in die neue Effizienzklasse C ab. Die Energieangabe beruht künftig nicht mehr auf einem theoretischen Jahreswert sondenr auf Basis von 100 Spülgängen. Bei Waschmaschinen wird ähnlich verfahren. Neu sind einige ergänzenden Verbrauchswerte im Label, etwa die Wassermenge und Betriebszeit pro Durchlauf. (Montage: Redaktion, Original-Labels vom Hersteller)

Was ändert sich bei der Einstufung für Leuchtmittel?

Ähnliches gilt auch für das EU-Energielabel von LED-Leuchtmitteln, allerdings noch etwas krasser: Die Skala geht bisher nur bis A++, wobei nur wenige, sehr sparsame Leuchtmittel diese Bewertung erreichen. Typische Supermarkt-LED-Birnen wie auch die smarten Leuchtmittel von Philips Hue tragen meist die Bewertung A+. Diese üblichen LED-Glühbirnen rutschen künftig in Richtung E (orange) und F (hellrot). Nur die allersparsamsten Leuchtstoffröhren-Ersatzlampen schaffen es aus A++ in die Klasse C.

Energielabel Glühbirne
Aus A++ wird D: Die sparsamsten 40 Watt-äquivalenten LED-Birnen landen ab September 2021 im Mittelfeld. (Montage: Redaktion, neues Label nachgebaut)

Die Einstufung von Leuchtmitteln im EU-Energielabel erfolgt anhand der sogenannten Lichtausbeute in Lumen pro Watt (lm/W). Dabei hat es die LED-Technik in den letzten Jahren schon geschafft, die Effizienz von Glühbirnen und Leuchtstoffröhren massiv zu steigern: Eine konventionelle Glühbirne mit Glühfaden lieferte rund 20 lm/W, gute LED-Glühbirnen holen aus der selben Menge Strom vier bis fünf Mal so viel Licht heraus. Einen der besten Werte liefern LED-Röhren mit über 170 lm/W (siehe Beispiel unten). Dieses Modell landet künftig in Klasse C. Für die neue Klasse A im EU-Energielabel müsste ein LED-Leuchtmittel mindestens 210 lm/W leisten. Solche Lichtquellen gibt es bisher höchstens unter Laborbedingungen. Die industrielle Hersteller wäre schon deshalb extrem teuer, weil es kaum möglich ist, die vorgeschaltete Elektronik weit gehend verlustfrei zu bauen. Sie muss die Netzspannung von 230 Volt Wechselspannung auf die für LEDs notwendige, geringere Gleichspannung umwandeln.

Energielabel Leuchtstoffröhre
Die derzeit sparsamste LED-Leuchtröhre von Philips wird ab September 2021 im neuen EU-Energielabel unter der Effizienzklasse C eingestuft. (Montage: Redaktion, neues Label nachgebaut)

Was ändert sich am EU-Energielabel für Flat-TVs?

Die dickste Kröte müssen Fernsehgeräte schlucken. Hier ist das Gros der Geräte heute in die Effizienzklasse A eingestuft. Einige wenige, wie der unten gezeigte LED-LCD-TV von Samsung schaffen es in die Effizienzklasse  A+. Er hat bei satten 1,63 Metern Bilddiagonal einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 116 Watt. Dieses und fast alle anderen Geräte, egal ob aus Klasse A oder A+, landen ab März 2021 in der Effizienzklasse G. Unabhängig von der Bildgröße: Auch ein aktueller 32-Zoll-TV (80 cm Diagonale) mit 39 Watt Verbrauch landet künftig in Klasse G. Um in die Energieklasse A zu kommen, dürfte er noch 11,2 Watt verbrauchen. Diese Leistung benötigt Stand heute allein seine Elektronik – ohne, dass auch nur ein Pixel leuchtet. Auch bei den TV-Geräten wurden durch den Einsatz von LED-Beleuchtung  in den  letzten Jahren bereits  große Fortschritte erzielt.

Energielabel TV
Vom Stromsparer scheinbar zum Schluckspecht: Viele tipaktuelle Flat-TVs wandern aus Klasse A+ in die alleeunterste Energie-Schublade. An Kosten und Stromverbrauch ändert das nichts. Übrigens auch nicht an der Größe: Kleinere TV-Geräte werden im Verhältnis teilweise noch härter bewertet, da für die Einstufung keinen „Sockel-Verbrauch“ für Empfangsteil und Bild-/Ton-Elektronik eingerechnet wird. (Montage: Redaktion, Neues Label mit echten Werten teilweise nachgebaut)

Warum werden Energielabel fürs Auto ganz anders eingestuft?

Im Kontrast dazu steht das -Energielabel für Autos. Hier kommt ebenfalls eine neue Regelung, die große, schwere Autos mit Verbrennungsmotoren schlechter bewerten soll. Heute wird der CO2-Ausstoß im Verhältnis zum Fahrzeuggewicht bewertet, was tonnenschwere SUVs gegenüber Kleinwagen bevorzugt. Das wollen zumindest Teile der Label-Macher aus den Ministerien für Umwelt, Wirtschaft und Verkehr in Berlin ändern. Nichts ändern wird sich aber laut Mobilitätsexperte Carsten Bamberg von der Deutschen Energieagentur (DENA) an einer anderen Sonderbehandlung von Autos: Sie werden nicht nach ihrem Energieverbrauch eingestuft, sondern nur aufgrund ihres CO2-Ausstoßes.

Energielabel Porsche
Der 2,3 Tonnen schwere Porsche Cayenne e Hybrid verbraucht 22 kWh Strom oder 2,5 Liter Super pro 100 km – auf dem Prüfstand. Dabei kommt er rein elektrisch gar nicht so weit und verbraucht in der Praxis in aller Regel mehr Sprit. Dennoch trägt er das Effizienzlabel A+.(Foto: Porsche, Montage: Redaktion)

Reine Elektroautos landen also automatisch in der besten Energieklasse – egal, ob sie 12, 15 oder 22 kWh Strom pro 100 Kilometer schlucken. Autos bekommen also eigentlich gar kein Energielabel, sondern ein CO2-Label, das zudem nur die lokalen Emissionen erfasst. Woher die Unterschiede kommen? Die strengen EU-Energielabel für Hausgeräte, Lampen und TVs wurden in Brüssel für die ganze Europäische Union verabschiedet. Das CO2-Label für Autos entsteht dagegen in Berlin im Austausch zwischen dem Wirtschaftsminsterium, dem Verkehrsministerium und dem Umweltministerium und wird von der bundeseigenen Deutschen Energieagentur vergeben. Beziehungsweise kann jeder Autohändler für die Fahrzeuge in seinen Hallen, die Label selbst online erstellen und ausdrucken (siehe Fotomontage oben). Und das Label gilt nur für Deutschland.

Fun Fact am Rande: Auf Informationsseiten zum KfZ-Energielabel werden immer mal wieder Parallelen zwischen den verschiedenen Label-Klassen gezogen, etwa dass die Größe von Kühlschränken ebenso in die Bemessung des Energielabels einfließt wie die Größe eines Autos bei deren Label. Das entspricht aber nicht ganz der Wahrheit: Für die Bewertung der Effizienz eines Kühlschranks wird beim EU-Energielabel sein Nutzinhalt sehr differenziert ins Verhältnis zum Verbrauch gesetzt. Bei Autos gelten dagegen nicht die Anzahl der Sitzplätze und das Kofferraumvolumen als Maßstab, sondern einzig das Gesamtgewicht. Ein 2,5-Tonnen SUV mit fünf Sitzplätzen darf also für die selbe Label-Einstufung viel mehr CO2 ausstoßen als ein kompakter, leichterer PKW-Kombi mit ähnlichen Innenraum-Maßen. Effizient ist dies vielleicht für die Margen der Hersteller, sicher nicht für das Umweltbewusstsein der Verbraucher.

Wie werden Häuser oder Heizungen eingestuft?

Auch für Heizungsanlagen gibt es ein EU-Energielabel. Da man die Heizungsanlage aber nicht aus dem Karton nimmt, anschließt und einschaltet, funktioniert die Label-Vergabe hier etwas anders. Für jede Heizungsinstallation (Fachbegriff: „Verbundanlage“) wird das Effizienzlabel einzeln aus den verschiedenen Komponenten wie Wärmeerzeuger, Wärmespeicher, möglicher regenerativer Erzeugungsanlage und der zugehörigen Steuerungstechnik errechnet.

Dafür bietet der Branchenverband für die Gebäudetechnik auf der Webseite www.heizungslabel.de ein Eingabeformular für die verschiedenen Komponenten und Dimensionen der Anlage an. Gängige Geräte sind dort mit allen Details in einer Datenbank hinterlegt. Aus den Angaben wird automatisch das Effizienzlabel für die jeweilige Anlage erstellt – das Label soll auch ein Teil der Planung einer Heizung sein. Der Installateur muss das Label seinem Angebot beilegen, so dass der Kunde vor vorn herein weiß wie effizient seine neue Heizung wird. 

VdZ Heizungslabel
Das EU-Energielabel für Heizungen wird mithilfe eines umfangreichen Datenblattes aus den verschiedenen Komponenten der Anlage errechnet. (Grafik, Collage: Redaktion).

 

Systeme

TVs Marke „Umweltsau“

Dipl. Ing. Reinhard Otter
Kommentar von Dipl. Ing (BA) Reinhard Otter

Ich freue mich, dass meine Tochter fürs Klima auf die Straße geht und möchte da nicht nachstehen. Dazu gehört, dass ich meinen Carbon-Footprint verbessern und dies bei Kaufentscheidungen auch nachvollziehen möchte. Gar nicht so einfach, denn 2,3 Tonnen bewegtes Blech mit Hybridaggregat fahren in der Effizienzklasse „A+“, während sparsame LED-Glühbirnen mit ihren 4 bis 6 Watt (Öko-)Stromverbrauch künftig statt „A++“ in die Effizienzklasse „E“  oder „F“ abrutschen. Wer erklärt das meiner Tochter? Ich kann es nicht. Quatsch ist auch, dass ab März 2021 fast alle aktuellen LED-TVs über Nacht vom „Sparfuchs“ (A+) zur „Umweltsau“ (G) mutieren.

Keine Frage, das grassierende A+++-Einerlei bei Hausgeräten gehörte längst reformiert. Auch die erklärte Absicht der EU-Komission, die Klassen A und B für künftige Innovationen frei zu halten, ist aller Ehren wert. Dann aber bitte in allen Produktgruppen ähnlich und nicht ein Mal mit dem Holzhammer (TV) und ein anderes Mal mit Samthandschuhen (Autos). Auch bei ihnen bleibt der Anspruch: Die sauberste Energie ist die, die gar nicht gebraucht wird. Egal ob Diesel oder Strom.

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