Mädchen streamen

Musik & Videos aus dem Netz: Streamen oder haben?

10.05.2018

Die Art und Weise, wie wir Filme, Musik und andere Medien konsumieren, wandelt sich radikal – nicht nur, aber auch durch die Vernetzung im Haus. Immerhin kann ein Smarthome dabei helfen, die Vorteile von Musikstreamingdiensten und Video-Flatrates optimal auszunutzen.

Schau mal, meine Plattensammlung! Für Jugendliche in den 60er,  70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es kaum etwas Edleres als Stapel von Weinkisten, in denen schwarze Vinylplatten in kunstvoll bedruckten Papphüllen lagerten. Feiertage wurden dafür verwendet, die Plattensammlung zu sortieren. Zum Beispiel autobiographisch, wie in Nick Hornby‘s Roman „High Fidelity“: Welche Schallplatten verbinden mich am Eindrücklichsten mit den verschiedenen Ex-Freundinnen?

Sortieren per Fingertippen

Für eine zunehmende Zahl an Hörern stellt sich heute die Frage nach der Sortierung nicht mehr. Sie wählen in der Verwaltungs-App auf dem Smartphone die Option „Nach Genre“ oder „nach Künstler“ und bekommen sofort eine passend geordnete Liste der verfügbaren Inhalte. Anstelle der autobiographischen Regalsortierung legt man heute Playlisten namens „Anna“ oder „Discoflirt“ an. Der Besitz echter Medien tritt schon seit der Einführung von MP3-Tracks, iTunes und mobilen Digitalplayern vor etwa 20 Jahren in den Hintergrund. Wer etwas auf sich hielt, der digitalisierte seine CDs – oder besorgte digitale Musik aus anderen Quellen.

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland zwar noch fast zwei Drittel des Musik-Umsatzes durch CDs und LPs ausgelöst, doch die Wachstumsraten im Digitalgeschäft sind immens: Von 2015 auf 2016 wuchs der Umsatz mit Musik-Streamingplattformen wie Spotify oder Apple Music um sagenhafte 72 Prozent – zu Lasten von CD-Verkäufen (minus 9 Prozent) und von gekauften Downloads. Der Trend ist klar: Musik wird immer weniger selektiv einzeln gekauft und besessen, sondern eher als Flatrate-Service konsumiert – All-you-can-hear ersetzt Musik à la carte.

Trotz der unübersichtlichen Vielfalt bieten die digitalen Online-Streamingdienste eine Reihe Vorzüge. Neben der flexiblen Sortierung kann der Hörer jeden Tag neue Musik entdecken. Alte und neue Lieblingstracks lassen sich in Playlisten speichern, anhand derer die Faltrate-Musikbox einem dann wieder neue Tracks vorschlägt. Wer will, der tauscht sich über die Musik-Community mit Freunden über neueste Hits aus.

Für Reisen abseits der WLAN-Versorgung schließlich lassen sich Titel herunterladen und offline hören – so- lange man die Gebühr für den Streamingdienst bezahlt. Und natürlich, solange es diesen gibt. 

Flatrate-Musik in allen Zimmern

Ein Erfolgsfaktor für die schlauen Musik-Flatrates ist sicher, dass sie parallel mit den vernetzten Multiroomsystemen wie Sonos, Denon Heos, Pioneer Onkyo Flare-Connect, Yamaha Musiccast und Konsorten aufkamen. Diese digitalen Anlagen fürs ganze Haus integrieren die Streamingdienste ganz selbstverständlich: Man meldet sich mit dem eigenen Deezer- oder Tidal-Account in der App der Anlage an und kann dann seine Playlisten direkt auf der Anlage starten.

Die Spotify-App erkennt sogar selbst alle kompatiblen Geräte im Heimnetzwerk und zeigt sie in der zugehörigen App als Abspielziele an. Beliebte Musiksammlungen lassen sich auch über Wandtaster vieler Smarthome-Systeme starten – oder per Sprachbefehl über Amazon Alexa bzw. die Echo-Lautsprecher, Google Home oder Apple Siri zum gewünschten Multiroom-Verstärker schicken. Angesichts solcher Komfortfunktionen ist der Abschied von der CD für immer mehr Hörer gut zu verschmerzen.

Gehört mir mein Musikalbum?

Die Antwort lautet für die Musik-Flatrates: Nein! Man erwirbt mit Zahlung der Abogebühr das Nutzungsrecht der Musiksammlung des Dienstes, solange der Beitrag bezahlt wird. Das ist ein Unterschied zum Kauf einer CD oder eines Albums bei iTunes. Dort gehört einem die Musik auch nicht komplett, doch man erwirbt ein dauerhaftes Nutzungsrecht. CDs und die iTunes-Tracks sind auf unzähligen Geräten abspielbar und lassen sich legal privat kopieren.

Doch dass selbst solche vermeintlich dauerhaften Anschaffungen nur ein theoretischer Besitz ist, wird bei einem Blick ins Videoarchiv klar: Für VHS-Kassetten gibt es heute keine neuen Wiedergabegeräte mehr – und keinen Ersatz für dieeinst gekaufte Videokassetten. Echte Filmfans kauften sich ihre Alltime-Favoriten denn auch mehrfach: Zunächst auf VHS-Kassette, dann auf DVD und schließlich auf der hochauflösenden Blu-ray Disc. Die wiederum gibt es mittlerweile schon in einer noch schärferen Form: Als UltraHD Blu-ray mit einer sagenhaften Bildauflösung von 3840 mal 2160 Pixeln – immerhin ungefähr die 18fache Zahl an Bildinformationen gegenüber der DVD. 

Generell gilt für alle Film- und Musik-Datenträger: Ist das Medium kaputt, veraltet oder gibt es keine passenden Wiedergabegeräte mehr, dann hat man keinen Anspruch auf moderneren Ersatz. Insofern sind die neuen Arten der Mediennutzung nicht unbedingt flüchtiger als bisherige 


Weiterlesen: Die besten Flatrate-Medienangebote im Überblick


Radikaler Wandel im Filmgeschäft

Der Wandel weg vom physischen Medium ist im Filmbusiness noch radikaler, allerdings vor allem im Leih-Geschäft, das für Filme seit jeher eine wichtige Rolle spielt. Hier stehen Videotheken vor dem Aussterben. Die großen Gewinner heißen Amazon Video, Netflix oder Maxdome. Laut einer Untersuchung des Branchenverbandes Bitkom haben sich die Umsätze und damit die Zuschauerzahlen dieser Film- und Serien-Flatrates seit 2014 fast verfünffacht. Auch aktuelle Filme werden heute häufiger online ausgeliehen als in Videotheken. Das Wachstum der Streamingangebote hat auch da mit zu tun, dass schnelle Internetanschlüsse inzwischen fast überall verfügbar sind. Doch vor allem praktische Vorzüge der virtuellen Medien punkten: Eine DVD lässt sich nur im Wohnzimmer auf dem DVD-Player nutzen. Bei iTunes oder Maxdome geliehene Filme sowie Netflix-Serien sind auf dem Smart-TV, am PC, im Smartphone oder per Tablet zu sehen.

Man kann Filme auch digital kaufen. Dann sind sie ähnlich flexibel und dauerhaft abrufbar – über die jeweiligen Anbieter-Apps oder -Geräte. Diese Einschränkung wog in der Frühzeit der Onlinevideotheken schwerer als heute. Da machte auch mal die eine oder andere Onlinevideothek wieder zu, und Kunden verloren ihre Film-Käufe – wie eine VHS-Kassette ohne Abpielgerät. Bei großen Anbietern wie Amazon oder Apple ist das heute kaum zu erwarten.

Streamen statt Fernsehen?

Was Onlinevideotheken ausmacht, zeigt auch ein Vergleich mit einem weiteren Konkurrenten: Dem TV-Programm. Das ist eher unflexibel und mit Werbung unterbrochen. HD-Qualität oder Streaming auf Mobilgeräten kostet zumindest bei Privatsendern extra. In vielen Punkten sind Netflix & Co dem Fernsehen überlegen, auch etwa mit Filmen in der neuen XXL-Auflösung UHD. Hier müssen auch Premiumangebote wie der Pay-TV-Sender Sky aufholen. Der wurde dieser Tage tätig – mit einem komplett runderneuerten Angebot. Was bleibt, ist eine einfache Erkenntnis: Nie war der Medienkonsum so flexibel wie heute. Nur ist er nicht mehr ganz so einfach greifbar wie mit dem Plattenregal oder dem DVD-Schränkchen.


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Schnelles Internet

Welche Datenraten sind für das Medienstreaming in unterschiedlichen Qualitätsniveaus ungefähr notwendig?

Musik
MP3/AAC (komprimiert): bis 384 kbit/s
CD (PCM unkomprimiert): 1,4 Mbit/s 
High resolution Audio (PCM 96 kHz/24 bit unkomprimiert): 9,2 Mbit/s

Video
Einfaches Streaming, SD-Aufl.: ca. 1 Mbit/s
DVD-Qualität: um 5 Mbit/s
HD-Stream auf Netflix: 5 bis 7 Mbit/s
UHD-Stream auf Netflix: ca. 15 Mbit/s
Blu-ray Disc (HD): ca. 15 Mbit/s
Ultra HD Blu-ray Disc: bis 50 Mbit/s 

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