Google Home Sprachsteuerung

Das Haus hört aufs Wort

15.11.2016

Smarthomes lassen sich in erster Linie über Smarthome-Apps steuern? Von wegen – so häufig die Kontrolle per App auf Messen und in anderen Demonstrationen vorgeführt wird, so selten sollte sie im Alltag zum Einsatz kommen. In wirklich intelligenten Häusern geht das Licht automatisch an. Aber es lässt sich auch per Taster einschalten. Oder auf Zuruf. Hier gibt's einen Überblick über die neuesten Trends in der Smarthome-Bedienung.

Ein häufiges Vorurteil gegenüber der vernetzten Hausautomation klingt in etwa so: „Warum soll ich denn immer eine App starten, um einfach nur das Licht einzuschalten?“ Wer sich mit der Materie auskennt, der ruft laut: Genau, so soll das nicht sein!

Ein Haus ist erst dann intelligent, wenn alltägliche Dinge wie etwa die Raumbeleuchtung dann angehen, wenn man sie braucht. Also beispielsweise, wenn die Bewohner zu Hause sind und draußen die Sonne langsam untergeht. Oder wenn morgens der Wecker klingelt. Oder wenn man das dunkle, stille Örtchen betritt. Ganz besonders schlau ist ein Haus, wenn es eben solche Funktionen zur richtigen Zeit wieder umkehrt: Das Licht löscht, nachdem die Toilette frei ist oder nachdem der letzte Bewohner abends im Bett liegt.

All diese Automatiken lassen sich mit Astrofunktionen, Präsenzmeldern und Zeitschaltern programmieren. Dennoch gehört zu fast jedem Smarthome eine App oder ein Wanddisplay mit einer Visualisierung, von dem aus der Nutzer auf seine Funktionen zugreifen kann. Das ist irgendwie logisch, denn kaum eine Automatik ist so umfassend, dass man nicht doch mal manuell eingreifen möchte. Das kann per Taster passieren, über eine grafische Bedienoberfläche an der Wand. Oder eben auch per Smartphone-App – so man denn will.

Die Smarthome-Bedienung wird übergreifend

Doch selbst manuelle Eingriffe ins intelligente Haus erfolgen künftig nicht mehr mit gesenktem Haupt über dem Touchscreen. „Kopf hoch“ heißt die Devise bei den Steuerungssystemen der Zukunft. Klar, ein voll integriertes Smarthome, etwa mit KNX-Technik von den etablierten Herstellern, wird in der Regel über ein fest integriertes Bediengerät gesteuert, und auch bescheidenere Systeme haben in aller Regel eine Standard-Benutzeroberfläche, auf die der Hausherr jederzeit zugreifen kann. 

Doch jenseits der proprietären Systeme und Bedienkonzepte wächst eine neue Ebene: universelle Eingabegeräte, die statt auf Fingertippen und Wischgesten aufs Wort hören und dabei gelehrig sind. Den Anfang der sprachgestützten Steuerung etwa machte vor gut drei Jahren der iPhone-Konzern Apple, als er die freundliche Assistentin „Siri“ in seine iPhones und iPads einpflanzte. Siri reagiert aufs Wort, um etwa einen Kontakt anzurufen, eine SMS zu schicken oder auch ein Musikstück aus der iTunes-Bibliothek abzuspielen. Allerdings war Siri bislang nur innerhalb der Apple-Welt unterwegs. Seit diesem Herbst und der Betriebssystemversion iOS10 steuert sie nun auch das Heim. Auf die Frage „Wie warm ist es im Wohnzimmer?“ kommt eine qualifizierte Antwort, sofern sich dort ein Sensor aus dem Apple-System „Homekit“ befindet. Regelt ein Homekit-fähiger Thermostat den Heizkörper und erhellen passende Funk-LED-Leuchten den Raum, dann kann man via Siri heizen, das Licht dimmen oder mehrere Funktionen in Szenen kombinieren. 

Offene Systeme können mehr

Das gößte Problem ist dabei, dass nur wenige Hersteller und Systeme bislang Homekit unterstützten. Schon gar nicht die Großen, Etablierten der Branche. Das können andere besser, etwa Amazon. Der einstige Online-Buchhändler entwickelt sich seit Jahren zum Komplettanbieter für Online-Dienste jeder Art. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Sprachsteuerung Alexa und die Ein-/Ausgabegeräte Echo und Echo Dot, die im Herbst 2016 nach Deutschland gekommen sind. 

Sie können in jeder Lebenslage und für alle denkbaren Systeme Befehle in Klartext entgegennehmen. Das kann man sich so ähnlich vorstellen wie die Apps eines Smartphones oder Tablets. Während man im Mobilgerät Apps fürs Onlinebanking, die Lichtsteuerung oder Onlinevideotheken installiert, lassen sich auf Amazon Echo sogenannte Skills aktivieren. Ein solcher Skill ist das Pendant zur App – während sich erstere auf Fingertippen am Touchscreen öffnet und dann alle möglichen Aufgaben erledigt, nehmen Skills über Echo Sprachbefehle für bestimmte Onlinedienste oder eben das Licht, die Rollläden, die Heizung und vernetzte Hausgeräte entgegen und leiten sie an die jeweiligen Geräte weiter. 

Amazon Ich Alexa Sprachsteuerung
Amazon Echo soll zugleich als Streaming-Lautsprecher, Nachrichten-Vorleser, Shopping-Suchhelfer und Smarthome-Befehlszentrale dienen. Warum auf diesem Bild der Mann im unscharfen Hintergrund trotzdem ein Smartphone in der Hand hält, ist fraglich. Denn eigentlich sollte Echo ja den Einsatz des Telefons zu Hause auf eine Minimum reduzieren.

Noch vor dem Start von Amazon Echo in Deutschland haben die großen Nachrüst-Anbieter wie Innogy Smarthome, Telekom Smarthome oder Homematic, ebenso wie die Hersteller zahlreicher Entertainmentsysteme angekündigt, die Amazon-Sprachsteuerung in ihren Plattformen zu nutzen. Digitalstrom etwa nutzt die US-Version von Alexa in Präsentationen bereits heute. 

Die großen KNX-Systeme halten sich dazu noch bedeckt, doch auch für sie dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie ebenfalls passende Apps – Verzeihung: Skills – für die Amazon-Steuerung herausbringen. Und Google, der dritte große Internetkonzern, hat erst vor kurzem mit Google Home seine Version eines Steueurngs-Multiroom-Lautsprcher-Mikrofones vorgestellt. Setzt sich das Ganze durch, dann dürfte es für solche Systeme bald ähnlich viele Sprachanwendungen geben wie heute Apps in iTunes oder im Google Play Store.

Sprache ist nicht alles

Neben den schlauen Sprachempfängern für das intelligente Haus kommt derzeit es noch ein zweiter Trend auf: Smarte Knöpfe wie Senic Nuimo, Logitech Pop und Konsortien wollen ebenfalls über System- und Herstellergrenzen hinweg Abläufe im Haus automatisieren. Auch sie müssen sic übers Netzwerk und nicht selten auch über das Internet mit den verschiedenen steuerbaren Gerätschaften koppeln, um dann per Knopfdruck etwa das Licht einzuschalten, die Musik zu starten und die Heizung hochzufahren, sobald man das Haus betritt. 

Das Prinzip ist dabei das Selbe wie bei den Sprachassistenten: Das Steuergerät benötigt einen virtuellen Zugang zu allen zu steuernden Leuchten, Multiroomsystemen, Rollladenmotoren und so weiter. Diese Zusammenarbeit steckt hier wie bei Alexa, Homekit, Google Home & Co. noch ziemlich am Anfang, markiert aber ebenfalls eines: Den Trend weg von der reinen App-Steuerung, hin zur haptischen Universalbedienung.  

Verschwiegenheit ist Pflicht

So klingt all das nicht allzu komplex. Die eigentliche Intelligenz der übergreifenden Steuerung versteckt sich allerdings hinter den Kulissen, beziehungsweise in der sprichwörtlichen Cloud – also im Internet. Dort werden Sprachbefehle von Siri wie auch Alexa erfasst, verstanden und beantwortet. 

Das führt zwangsläufig zu einer Grundvoraussetzung für den Erfolg der Sprachsteuerung: So viel Alexa, Siri und all die anderen Systeme verstehen, so verschwiegen müssen sie sein. Hier muss sich Amazon gerade im Smarthome erst beweisen. In werblicher Hinsicht lebt der US-Konzern ja gewissermaßen vom gläsernen Kunden, von dem bekannt ist, wann seine Druckerpartonen leer sind und welches Buch er unbedingt lesen sollte. 

Zu Hause ermöglicht dieses Wissen natürlich tolle Automatiken, doch hier ist für die digitalen Zuhörer mehr denn je Verschwiegenheit Pflicht, zumal die Smarthome-Technik häufig auch für Sicherheitsfunktionen zum Einsatz kommt. An dieser Stelle müssen Apple, Amazon & Co. die Privatsphäre und Datensicherheit ihrer Kunden offensiv und nachweisbar schützen.    rot 

 


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Systeme

Amazon Echo / Echo Dot

Den Streaminglautsprecher Amazon Echo und sein kleiner Bruder Echo Dot mit ihrer intelligenten Sprachsteuerung „Alexa“ gibt es in den USA bereits seit über einem Jahr. Die Sprachkontrolle gilt dort als zuverlässig. Auch durch Nebengeräusche hindurch oder quer durch den Raum reagiert die Box auf die Gesprächseröffung „Alexa“ zusammen mit einer natürlichen Anweisung wie etwa „wie wird das Wetter morgen?“ Daraufhin wird die Online-Wettervorhersage verlesen. Hersteller vernetzter Geräte können die Funktionen über sogenannte Skills, also Fähigkeitsprofile, nutzen. In Deutschland befindet sich das System derzeit noch im auf bestimmte Nutzer begrenzten „Sprachtraining“.

Amazon Echo dot

Apple Homekit / Siri

Siri heißt die Sprachsteuerung, mit der immer mehr Apple-Geräte Befehle entgegennehmen. Neben iPhone und iPad tun das mittlerweile auch Apple TV und  Mac-Computer – nicht aber spezielle Heim-Lautsprecher. Im Haushalt steuert Siri nur Geräte, die im Homekit-System mitmischen. Apple hat dabei strikte Verschlüüsselungs-Vorgaben für die Aufnahme in Homekit, auf die sich bislang nicht viele Hersteller einlassen. 

Google Home

Google ist der Dritte im Bunde der Internet-Megakonzerne mit Musikstreaming und Spracheingabe. Das zugehörige Produkt Google Home wurde erst kürzlich vorgestellt. Noch gibt es kaum Informationen über Anwendungen – abgesehen von den immer wieder auftauchenden Philips Hue oder dem smarten Thermostat Nest, der in Europa keine große Rolle spielt. Das dürfte sich aber bald ändern. 

google home

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