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Den Stromverbrauch nachmessen

19.12.2016

Um den eigenen Stromverbrauch zu senken, ist als Erstes eine detaillierte Bestandsaufnahme hilfreich. Vernetzte Messgeräte wie Smappee oder Smart Cost erfassen alle wesentlichen Verbräuche im Haus einzeln und können so unnötige Energieschlucker flott und effektiv enttarnen. 

Eines ist sicher: Die Stromrechnung kommt jedes Jahr. In der Regel ist sie höher als die Letzte. Doch bis zu dem Tag, an dem das Papier vom Energieversorger im Briefkasten liegt, hängt man als Stromkunde ziemlich ahnungslos in der Luft, denn der Stromverbrauch ist in den meisten normalen Haushalten kein alltägliches Thema – abgesehen vielleicht von der Aufforderung an den Nachwuchs, das Licht im Bad hinter sich auszumachen. 

In topmodernen Plus-Energie-Häusern mit Photovoltaik-Anlage und Hausspeicher wird der Ertrag der Solaranlage in der Regel ebenso erfasst wie der Verbrauch der verschiedenen Stromkreise im Haus. Hier gehört eine anschauliche Visualisierung der Energieflüsse häufig zu den Funktionen vernetzter Wechselrichter oder der damit verbundenen Smarthome-Technik. In energetisch weniger aktiven Häusern fließt der Strom dagegen sprichwörtlich aus der Steckdose, sofern man nicht selbst aktiv wird und seine Verbauchsanalyse selbst in die Hand nimmt.   

Den Stromverbrauch selbst messen und auswerten

Das funktioniert mit immer mehr praktischen Systemen. Wer sich selbst ein Smarthome-System einrichtet, der kann beispielsweise vor große Verbraucher Schaltsteckdosen mit Energiemess-Funktion einbauen. Diese Zwischenstecker können eben nicht nur den Strom ein- und ausschalten, sie messen auch die Energie, die durch sie hindurchfließt und melden diese an die zugehörige Smarthome-Zentrale. In praktisch allen Nachrüstsystemen ist diese Energieerfassung einschließlich einer Bilanzierung des Stromverbrauches über längere Zeiträume zumindest für einzelne Geräte vorgesehen.

Noch umfassender klappt die Energieerfassung etwa in Smarthome-Systemen von Digitalstrom. Es setzt direkt in jedem einzelnen Stromkreis im Haus an und misst in den dort installierten Digitalstrom-Metern dauerhaft die elektrische Energie. Spezielle Apps im Digitalstrom-Angebot werten diese Energieflüsse übers Jahr aus und zeigen bei Bedarf an, zu welchen Tageszeiten bestimmte Verbraucher besonders viel Energie schlucken. Energiehungrige Standby-Geräte, heiß laufende Plasma-TVs oder überalterte Kühlschränke lassen sich so recht zuverlässig orten.

Auch die App von Devolo Home Control etwa bietet eine recht anschauliche Darstellung aller angeschlossenen und erfassten Verbraucher. In solchen Do-it-Yourself-Systemen werden allerdings nur die Verbraucher erfasst und gemessen, die über Zwischenstecker mit Strommesser ins System eingebunden sind.

Smappee: Energiemonitoring per Smartphone-App

Doch es geht noch einfacher: Vernetzte Energiemonitore sind in der Lage, Stromflüsse direkt an den Zuleitungen in die Wohnung zu ermitteln. Der smarte Energiemonitor Smappee etwa misst den gesamten Stromverbrauch im Haus mithilfe dreier Kabelklemmen, die an den drei Phasen der Stromzuleitung in den Sicherungskasten abgenommen werden. Die daran angeschlossene Boxfür rund 220 Euro ermittelt alle Verbräuche auf den drei Phasen und ordnet sie automatisch je nach Phase, Verbrauch und Einschalt-Frequenz einzelnen Geräten zu.

Per WLAN überträgt der Energiemonitor die Werte zur zugehörigen Smappee-App, die neben den Stromflüssen im Haus auch alle Ein- und Ausschaltvorgänge erfasst. Nach der Installation von Smappee heißen die Verbraucher schlicht „Gerät 1“, „Gerät 2“ und so fort, doch schon nach wenigen Tagen lassen sich die Verbraucher anhand ihrer Nutzungszeiten recht leicht realen Geräten wie dem Backofen, dem Fön oder der Waschmaschine zuordnen. Hilfreich: Die App schickt auf Wunsch für einzelne Geräte Pushnachrichten aufs Smartphone, sobald sich der Verbraucher einschaltet. So ließen sich im Praxistest der Redaktion auch seltener benutzte Geräte wie etwa ein Toaster erkennen und zuordnen.

Smappee Energiemonitor App Anzeige
Die Smappee-App unter der Lupe: Auf dem Startbildschirm wird der aktuelle sowie der Dauerstromverbrauch angezeigt. Smappee erkennt einzelne Verbraucher. Die Namen und Funktionen der Geräte muss man aber selbst zuordnen. Aus den Verbrauchssummen rechnet die App die Kosten pro Gerät aufs Jahr hoch.

Im Praxiseinsatz fällt auch auf, dass Smappee einzelne Geräte erst ab einem gewissen Stromverbrauch erkennt und listet. LED-Leuchten etwa mit weniger als zehn Watt Leistungsaufnahme fallen dem Energiemonitor gar nicht einzeln auf, sie werden dem Gond-Energieverbrauch im Haushalt zugeordnet. Umso deutlicher aber war die Erkenntnis, dass wenige verbliebene 75-Watt-Birnen übers Jahr einen höheren Kostenfaktor darstellen als der Kauf vergleichbarer LED-Leuchtmittel.

Praktisches Tool mit Extras

Der Smappee Energiemonitor ist so eine praktische Hilfe zur einfachen und dennoch detaillierten Stromverbrauchs-Analyse. Es kann in einer erweiterten Version mit weiteren Strommess-Klemmen für rund 350 Euro auch den Ertrag einer Photovoltaik-Anlage überwachen. Auf der Startseite der App ist dafür eine eigene Ertrags-Blase neben den Verbräuchen vorgesehen, die bei konventionellen Haushalten unauffällig klein bleibt. Zusammen mit einer Photovoltaik-Anlage bietet Smappee Energiemanagement-Funktionen: Über eine mitgelieferte Funk-Schaltsteckdose – und weitere, die man dazu kaufen kann –  lassen sich bei Überschuss an Sonnenstrom bestimmte Geräte einschalten. Schließlich misst Smappee auf Wunsch auch den Gas- und Wasserverbrauch. Das macht ein zweites Gerät für 120 Euro, das diese Zähler über optische oder magnetische Sensoren ausliest und die Werte ebenfalls in die Smappee-App schickt. Die Installation der Sensoren ist noch einfacher als die des Strom-Monitors, da die zugehörigen Sensoren einfach an den zugehörigen Zähler geklebt werden.

Im zweiten Schritt kann Smappee bestimmte Verbraucher auch steuern. Mit zum System gehören Schaltsteckdosen, die Verbraucher nach bestimmten Energie-Triggerimpulsen ein- oder ausschalten können. So lässt sich etwa die häufig beschworene Waschmaschine tatsächlich dann starten, wenn die Photovoltaikanlage einen Überschuss an Energie liefert. 

Smart Cost: Energie-Messgeräte mit einzelnen Messpunkten

Ein Stück detaillierter als Smappee analysiert das Energiemess-System von Smart Cost den Stromverbrauch. Hier lassen sich ebenfalls die gesamten Verbräuche in einzelnen Stromkreisen mithilfe von Mess-Klammern an den Kabeln ermitteln und zuordnen. Zusätzlich können die vernetzten Messgeräte aber auch Verbraucher an einzelnen Steckdosen über Mess-Zwischenstecker überwachen, die per Funk mit der Smart-Coat-Znetrale verbunden sind. Die zugehörige Auswertungssoftware sammelt ebenfalls über längere Zeit hinweg alle Verbräuche und führt einzelne Verbraucher auf. Die Messgeräte kommen laut Anbieter sowohl in Privathaushalten als auch bei Energieberatern zum Einsatz.

Energiemonitoring vom Profi

Wer sich noch intensiver mit der eigenen Energiebilanz beschäftigen und seine Verbräuche optimieren möchte, der beauftragt am besten einen Energieberater. Mit dessen Equipment lassen sich im Zweifel noch detailliertere Ergebnisse erzielen. Vor allem aber haben Energie-Profis einen Überblick darüber, wie viel Strom etwa der Backofen, Heizung, Kühlschrank, Waschmaschine und andere Haushaltsgeräte übers Jahr tatsächlich verbrauchen dürfen, ohne als Schluckspechte auf der Stromrechnung zu gelten. Denn neben dem guten Gefühl, etwas für die persönliche CO2-Bilanz zu tun, soll der sorgsame Umgang mit Energie ja auch den eigenen Geldbeutel deutlich entlasten.    rot 


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Wann kommen die 
Smart Meter?

Im Zusammenhang mit der Energiewende und Energiemanagement ist häufig auch von den so genannten Smart Metern die Rede. Diese vernetzten Zähler sollen etwa flexible Stromtarife möglich machen oder bestimmte Verbraucher bei Stromüberschuss von außerhalb aktivieren. Sie sind damit die Eintrittskarte ins künftige Smart Grid – das intelligente Stromnetz. Smart Meter werden ab kommendem Jahr in Gewerbebetrieben eingeführt, ab 2020 müssen auch Haushalte mit hohem Verbrauch von über 6000 KWh die vernetzten Stromzähler installieren. Über den Sinn der vernetzten Zähler in Privathaushalten streiten sich Fachleute – die Zusatzkosten seien höher als mögliche Einsparungen, so die Kritiker.

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