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Mein Haus, mein Auto, meine Tankstelle

04.02.2019

Die Elektromobilität hält Einzug in den Straßenverkehr – und damit auch in immer mehr Garagen und Carports am Eigenheim. Gastautor und Elektromobilitäts-Experte Markus Emmert erklärt, wie man sich und sein Haus schon jetzt optimal auf das kommende Elektroauto vorbereiten kann.

Auch wenn Sie heute noch nicht elektrisch unterwegs sind – früher oder später werden Sie es sein. Der Umstieg auf ein Elektroauto bringt allerdings viel mehr mit sich, als man auf der ersten Blick denkt. Bisher haben wir uns gefragt, wie hoch der Verbrauch von Diesel oder Benzin auf 100 Kilometer in Litern ist, wo die nächste Tankstelle liegt und was dort der Liter Sprit kostet. Demnächst werden wir uns damit beschäftigen, wie viel Strom das Auto pro 100 Kilometer verbraucht. Wir werden Fahrten mit Routen-Apps planen, die neben der Verkehrssituation auch die Auslastung von Schnellladesäulen entlang der Strecke kennen.

Das Haus wird Strom-Tankstelle

Künftig werden die eigenen Autos nicht mehr nur an der Tankstelle mit Treibstoff versorgt. Im Alltag lassen sich Elektroautos auch optimal aufladen, wenn sie längere Zeit parken – z. B. zu Hause. Jedes Haus hat einen Stromanschluss und damit alle Voraussetzungen für eine Strom-Tankstelle. E-Autos lassen sich zu Hause mit Wechselstrom (AC-Strom) laden. Das ist der Strom, wie wir ihn von der Schuko-Haushaltssteckdose kennen. Für eine leistungsfähige Ladestation in der privaten Garage kommen dreiphasige Anschlüsse mit einer Leistung von 11 oder gar 22kW Leistung infrage. Das entspricht drei Phasen mit jeweils 16 oder 32 Ampere Absicherung. Zum Vergleich: Auch Herdanschlüsse sind dreiphasig mit je 16 Ampere abgesichert.

Geladen wird das Auto über eine sogenannte Wallbox. Diese ist idealerweise mit einer Typ2-Ladebuchse zum Anschluss an das Auto versehen und sollte eigens abgesicherte Stromkreise haben. Es gibt zwar auch Ladekabel für die normale Steckdose. Diese sogenannte Notladefunktion arbeitet aber nicht mit dem vollen Ladestrom von 16 Ampere, da am Stromkreis der Steckdose noch weitere Verbraucher angeschlossen sein könnten.

Wallbox
Wallboxen für die Garage oder den Stellplatz gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Wichtig ist, dass Ladeleistung und Anschlüsse zum E-Auto passen (Foto: Keba).

Schnellladesäulen (DC) gibt es meist an Autobahnen oder auch an Filialen großer Discounter oder Möbelhäuser. Sie laden Autos mit entsprechender Ladetechnik über die Anschlüsse „Combined Charging System“ und „Charge de Move“ (CCS, CHAdeMO) direkt via Gleichstrom mit einer Ladeleistung von bis zu 50kW auf.

Schnellladesäulen
An DC Schnellladesäulen sind Ladekabel mit CCS- und CHAdeMO-Steckern fest verbunden – ähnlich wie die Zapfpistole an der Tankstelle. Nutzer benötigen dafür also kein weiteres Kabel (Foto: LEW/Luisa Rauenbusch).

Generell ist die Ladezeit abhängig von der verfügbaren Leistung und der Ladetechnik im Fahrzeug. Nicht jedes Fahrzeug lädt an einer mit drei Phasen abgesicherten 11 Kilowatt-Wallbox auch tatsächlich mit voller Leistung. Manche Fahrzeuge haben nur einphasige Ladetechnik eingebaut. Sie erhalten ein Drittel der Leistung und benötigen logischerweise die dreifache Ladezeit. Schnelllade- oder DC-Anschlüsse kosten bei einigen Herstellern extra.

Ladevarianten
Lade-Varianten: Mit dem Notladesystem über eine normale Steckdose stehen meist nur 2,3 Kilowatt zur Verfügung. Über den Typ2-Steckanschluss lassen sich aber bis zu drei Phasen und 22 kW Ladeleistung übertragen. DC-Ladestationen arbeiten mit dem CCS- oder CHAdeMO-Stecker (Fotos: Mennekes, Porsche).

So wird das Haus zukunftssicher

Wer heute ein Haus baut, der sollte neben der Architektur auch Themen rund um die Elektroausstattung und Vernetzung berücksichtigen – nicht nur, aber auch wegen Elektroautos. Dazu sind Bauherren sogar gesetzlich verpflichtet. Das Elektromobilitäts-Gesetze (EmobG Teil I) schaffte 2015 die Grundlagen für die Elektromobilität in Deutschland. Dabei ging es zunächst  eher um Kennzeichnungen und Privilegien, etwa kostenlose Parkplätze. Demnächst kommt Teil II des EmobG, der auch Fragen des Wohnungsbaus und der Lade-Infrastruktur regeln soll. Der Grund für die Regeln: Immer mehr Elektroautos benötigen immer mehr Strom. Damit das Netz die zusätzlichen Lasten verkraftet, muss die Technik bekannt und berechenbar sein. Schon heute müssen alle öffentlichen und halböffentlichen Ladepunkte der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Künftig dürfte es Genehmigungsverfahren für Ladestationen geben. 

Fazit: Die Vorbereitung zählt

Für Bauherren gelten daher vier einfache Tipps, um die Voraussetzungen fürs erste Elek­tro­auto zu schaffen:

  1. Eine PV-Anlage bringt zusammen mit einer Hausbatterie Unabhängigkeit von künftigen Strompreisen. Sie ermöglicht auch einen günstigen Betrieb des E-Autos. Und: Wer seinen Ladestrom selbst produziert, der kann auch dann noch laden, wenn das Netz „dicht“ ist.
  2. Es ist kaum sinnvoll, sofort eine Wallbox einzubauen, wenn nicht unmittelbar der Kauf eines Elektroautos ansteht. Denn die technische Entwicklung geht ständig weiter, nicht jeder Autotyp unterstützt alle Lade-Varianten.
  3. Wichtiger: Sehen Sie dreiphasig abgesicherte Anschlüsse für die Garage oder den Carport vor und legen Sie entsprechende Leitungen – oder zumindest die passenden Leerrohre.
  4. Lassen Sie ein Netzwerkkabel in die Garage legen. Damit kann ihre künftige Wallbox beim Laden auf Tarif-Impulse reagieren und wahlweise schnell oder flexibel und günstig laden. Auch für die Verbindung mit einem Energiemanager zur Verteilung des PV-Stroms im Haus sollte die Wallbox vernetzt sein. Vermutlich wird die Vernetzung aller Ladestationen schon bald ohnehin vorgeschrieben. Da ist der gut dran, der für sein Haus bereits ein paar Jahre voraus denkt. 

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Der Gastautor

Markus Emmert

Markus Emmert ist wissenschaftlicher Beirat im „Bundesverband eMobilität e.V.“ (BEM). Er leitet in dieser Funktion verschiedene Arbeitsgruppen des Verbandes und ist Leiter für strategische Kooperationen. Der „Bundesverband eMobilität“ setzt sich langfristig dafür ein, die Elektromobilität auf Basis Erneuerbarer Energien voranzubringen und das Marktumfeld für emissionsarme Antriebskonzepte zu stärken. Zu den Aufgaben des BEM gehört vor diesem Hintergrund die Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Ausbau der Elektromobilität als nachhaltiges und zukunfts-weisendes Mobilitätskonzept sowie die Durchsetzung einer Chancengleichheit bei der Umstellung auf Elektromobilität. Um diese Ziele zu erreichen, vernetzt der BEM die Akteure aus Wirtschaft, Politik und Medien miteinander, fördert die öffentliche Wahrnehmung für E-Mobilität und setzt sich für die notwendigen infrastrukturellen Veränderungen ein.

Weitere Infos: www.bem-ev.de

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