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Mein Haus – mein Dach – mein Strom

04.12.2016

Sonnenenergie vom eigenen Dach kostet nur gutes Wetter – und eine intelligente Photovoltaikanlage, die ihren Ertrag technisch und wirtschaftlich optimiert. Das haben auch Energieversorger erkannt und bieten smarte Komplettlösungen an.

Noch ist es nicht völlig selbstverständlich, dass zu den eigenen vier Wänden der selbst erzeugte Photovoltaik-Strom genauso dazugehört wie etwa die Heizung oder der Kühlschrank. Doch die technische Entwicklung geht klar in diese Richtung: Moderne Einfamilienhäuser sind in Deutschland prinzipiell in der Lage, über eine Solaranlage auf dem Dach mindestens so viel Strom zu erzeugen, wie ihre Bewohner übers Jahr verbrauchen. Auch in Mehrfamilienhäusern lässt sich der Verbrauch der Bewohner mit Energie vom eigenen Dach bestreiten.

Allerdings wird ein Großteil des Stromes nicht mittags benötigt, wenn die Sonne am stärksten strahlt, sondern eben eher abends oder frühmorgens. Energiespeicher wie Batterien oder Wärme-Reservoirs können die Diskrepanz zwischen Erzeugungs- und Lastspitzen ausgleichen. Doch um die Technik eines solchen Systems für den Nutzer beherrsch- und kalkulierbar zu machen, sind intelligente Steuerungstechnik und vor allem ein zuverlässiger, smarter Service notwendig. 

Lohnt sich eine Solaranlage?

Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Erzeugung von Strom per Photovoltaik eine gute Lösung ist, um den CO2-Ausstoß zu drosseln. Im eigenen Haus macht das aber erst Spaß, wenn es sich auch finanziell stemmen lässt. Vor einigen Jahren wurde die Installation von Photovoltaikanlagen auf Hausdächern massiv subventioniert: Für den ins Netz eingespeisten Sonnenstrom von ihren Dächern bekommen Betreiber älterer Solaranlagen teils einen höheren Betrag pro Kilowattstunde, als sie für den Strom aus der Steckdose bezahlen müssen. 

Bei neuen PV-Anlagen hat sich das Verhältnis zwischen Einspeisevergütung und Strompreis gedreht. Die Technik lohnt sich also nur, wenn man möglichst viel Sonnenstrom selbst verbraucht und so weniger Energie zukaufen muss. Statt einer sicheren Rendite durch die Einspeisevergütung muss nun für die Rentabilität der Anlage berechnet werden, wie viel des erzeugten Stromes man nutzen kann, wie viel eingespeist wird und wie viel Rest-Strom vom Energieversorger notwendig ist. Die Randbedingungen dazu sind einerseits die Leistung der Anlage, die Größe der Haus-Batterie sowie andererseits der Stromverbrauch und dessen Verlauf über den Tag und übers Jahr. Vorab lässt sich all das nur schätzen, wohl aber durch intelligente Steuerungstechnik optimieren. Deshalb kommen immer mehr Produkte auf den Markt, die das Zusammenspiel aus Erzeugung und Verbrauch steuern. 

Smarte Solar-Flatrate

Eines dieser Angebote trägt sein Programm im Namen: „Beegy“ steht für „Better Energy“. Der Anbieter (siehe rechts) liefert nicht nur Solaranlagen mit Hausbatterien und smarter Steuerungstechnik, er nimmt dem Kunden auch die Rechenarbeit ab. Das Angebot: Zum Kauf einer Solaranlage mit Hausbatterie und Steuerungs-Gateway von Beegy steuert der Anbieter für eine überschaubare monatliche Pauschale den Service der Anlage wie auch allen Rest-Strom bei, der über die Eigenerzeugung hinaus benötigt wird. Im Gegenzug tritt der Besitzer die Einspeisevergütung für seinen überschüssigen Strom an Beegy ab. Die Pauschale errechnet sich aus der Größe der Photovoltaikanlage und dem Strombedarf des Haushalts. Statt Kilowattstunden zu unterschiedlichen Tarifen hin und her zu verrechnen, kann der Bauherr seine Anlage so vorab sicher kalkulieren: die bisherigen Stromkosten gegenüber einer einmaligen Investition und der „Betriebs-Flatrate“. 

Das Energie-Startup Beegy ist ein Joint-Venture aus dem Mannheimer Energieversorger MVV, dem Solartechnik-Anbieter BayWa und dem IT-Dienstleister Greencom Networks. Sein Chef Dr. Christian Feißt hat zuvor einige Jahre beim IT-Konzern Cisco Systems gearbeitet. Zu dieser Zeit prägte der damalige Cisco-Chef John Chambers gegenüber den Vorständen der großen Telekom-Anbieter den Satz „Voice will be free“ – Telefonieren wird nichts mehr kosten. Ende des letzten Jahrhunderts hatte Chambers damit die Lacher auf seiner Seite. Heute telefonieren die meisten Menschen zum Pauschalpreis.

Diese Vision verfolgt Beegy heute mit seinen Tarifen für die dezentrale, regenerative Energieversorgung: Solarstrom selbst kostet nichts, die Anlage zur Erzeugung stellt aber eine beträchtliche Investition dar, für die der Nutzer wissen möchte, ob sie sich lohnt. Immerhin kostet eine Anlage, wie Beegy sie anbietet, je nach Haushaltsgröße rund 14000 Euro. Die Leittechnik optimiert Erzeugung, Speicherung und Verbrauch, der Flatrate-Tarif soll dem Nutzer dazu eine sichere Planungsgrundlage bieten.

Beegy Portal Strom Visualisierung
Das Beegy-Gateway überwacht die Stromerzeugung auf dem Dach wie auch den Verbauch im Haus und lernt dabei die Charakteristika des Haushalts kennen. So kann es etwa festlegen, wann die Batterie geladen oder Strom ins Netz eingespeist wird. 

Neben Beegy gibt es weitere Steuerungssysteme für Häuslebauer, die den PV-Eigenverbrauch unabhängig vom Stromtarif optimieren – vom Zusammenspiel einer Autoladestation mit dem Hausspeicher über die Energiespeicherung in heißem Wasser für eine Wärmepumpe bis hin zur Waschmaschine, die sich bei Sonnenschein automatisch einschaltet, sobald die Sonne strahlt. RWE Smarthome kann diese Technik ebenso integrieren wie etwa das System von Loxone, das es in einer speziellen Version auch ausschließlich fürs Energiemanagement und die Steuerung einer Auto-Ladestation gibt – das Spezialsystem nennt sich E-Mobility Starter Kit und besteht aus einem Loxone Miniserver Air, der kompatible, also ebenfalls steuerbare Elektroautos in Abhängigkeit vom Solar-Ertrag mit Sonnenenergie betankt. E-Autos wie der i3 von BMW lassen sich so in Abhängigkeit von ihrer Nutzung und dem Photovoltaik-Ertrag im Zweifelsfall auch priorisiert betanken. Andere Verbraucher kann die Steuerungsbox so lange im Zweifelsfall in Standby schalten.

Loxone Miniserver Air BMW E-Mobility
Mit dem E-Mobility Starter Kit bringt Loxone den Solarertrag und die Ladung eines Elektroautos in Einklang.

Auch KNX-Systeme mit Heimserver und andere Smarthome-Anlagen lassen sich mit etwas Aufwand fit für die Optimierung des Solar-Eigenverbrauchs machen. Viele Fertighaushersteller etwa haben entsprechende Anlagen-Pakete zu ihren Häusern im Angebot. 

Solarstrom-Modelle für Mieter

Doch all diese Systeme funktionieren nur dort, wo Erzeuger und Verbraucher identisch sind und so kein Umweg übers Stromnetz notwendig ist. In Mietshäusern oder Eigentümergemeinschaften (WEG) gehört das Dach keiner einzelnen Partei, jede Wohneinheit hat aber einen individuellen Vertrag mit dem Energieversorger seiner Wahl. Für smartes Energiemanagement im Haus sind hier größere Klimmzüge notwendig, bei denen die Parteien freiwillg mitmachen müssen.

Erste Mieterstrom-Modelle, die Bewohner größerer Einheiten bevorzugt mit Strom vom eigenen Dach versorgt, gibt es bereits. Das Prinzip: Der Eigentümer beliefert die Wohnungen innerhalb der Anlage und tritt auf diese Weise selbst als Energieversorger auf. Wegen des freien Wettbewerbs auf dem Strommarkt können die Bewohner nur auf freiwilliger Basis teilnehmen, was in der Regel über einen besonders günstigen Tarif gefördert wird. 

In der Praxis tritt das Wohnungsunternehmen die Rolle des Lieferanten meist an einen Energieversorger ab – Lichtblick etwa bietet mit dem „Zuhause-Strom“ den Betrieb solcher Anlagen ab etwa 20 Parteien an. In deren Vorzeigesiedlung, dem Gelben Viertel in Berlin, nutzen rund 3000 Mietparteien den Strom der Dach-Solaranlagen. Auch die Stadtwerke Stuttgart erproben solche Angebote.  „Ab 23 Parteien lohnt sich das Mieterstrom-Modell mit Solaranlage auf dem Dach“, sagt Stefan Ronzani, der solche Anlagen in Stuttgart plant und betreut. In kleineren Einheiten sei der Verwaltungsaufwand im Verhältnis zu den Ersparnissen zu hoch. Doch bald sollte es Lösungen für kleinere Einheiten geben: Beegy erprobt derzeit eine Anlage mit smarter Leittechnik – in einem Sieben-Familienhaus.    rot 


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Stichwort: Kompatibilität

Damit unterschiedliche Geräte im Bereich der Energieerzeugung mit einander kommunizieren, müssen sie eine gemeinsame Sprache sprechen. Eine solche Kommunikationsplattform hat die EEBUS-Initiative in den letzten Jahren geschaffen. In ihrem Rahmen sitzen die Entwickler der unterschiedlichen Unternehmen an einem Tisch und definieren die digitale Sprache, in der etwa Solar-Wechselrichter, Hausbatterien, E-Auto-Akkus, Großverbraucher und etwa Heizungen ihr Angebot und ihre Nachfrage an Energie gegenseitig mitteilen. 

Seit Mitte 2016 ist das zugehörige Kommunikationsprotokoll SPINE als Kurzform für die kryptische Bezeichnung „Smart Premises Interoperable Neutral-Messvage Exchange“ als Standard definiert und frei zugänglich. Das Beegy-Gateway etwa arbeitet bereits mit diesem Kommunikationsstandard.

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