Google Home Sprachassistent

Sind Sprachassistenten moderne Datenkraken?

07.06.2018

Sind Amazon Alexa, Google Voice Assistant und Apple Siri hilfsbereite Sprachassistenten oder datenhungrige Abhörknechte anonymer Mächte? Wie so oft: Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

Computer, gib mir Optionen“ – ganz so weit wie im Raumschiff Enterprise sind wir mit Alexa, Google & Co. heute noch nicht. Die Sprachassistenten können Fragen beantworten und Befehle an vernetzte Geräte oder das Smarthome schicken. Doch eine echte künstliche Intelligenz, die Situationen selbstständig analysiert, steckt zumindest bisher nicht in den Smartspeakern. Immerhin lernen Alexa & Co. ständig dazu – auch, indem sie die Masse aller Fragen und Reaktionen auf die Antworten speichern und auswerten. Die Intelligenz dahinter liegt nicht in den Geräten, sondern auf den Serverfarmen der Anbieter. Dort gehen alle Suchanfragen und Aufgabenstellungen ein und werden mithilfe riesiger Datenbanken in Aktivitäten umgewandelt – oder eben als Lern-Aufgaben für künftige Updates der Systeme abgelegt. Was wir daraus auch lernen: Jede Anfrage an den Smartspeaker baut eine Internetverbindung auf, die um den halben Globus reicht und dabei eine ganze Reihe Fragen aufwirft.

Was lauschen Alexa & Co.?

Smarte Streamingboxen haben ständig ein offenes Mikrofon, sofern das nicht aktiv abgeschaltet wird. Die Datenübertragung startet aber erst, wenn die Box das vorgesehene Aktivierungswort hört – also etwa „Alexa“, „Computer“, „Amazon“ oder „Echo“ im Fall der Sprachsteuerung von Amazon. Es wird zwar immer wieder behauptet, dass auch im deaktiverten Zustand Daten ins Internet geschickt werden. Dem widersprechen Prüfinstitute wie AV-Test: „Wir haben das recht umfassend geprüft. Ohne das Triggerwort findet so gut wie keine Netzwerkkommunikation statt“, berichtet AV-Test Geschäftsführer Maik Morgenstern. Allerdings kann es vorkommen, dass die Boxen bei verwandten Begriffen aufwachen. „Alex“ statt „Alexa“ kann die künstliche Intelligenz der Amazon-Box aufwecken. „Hey, zier’ Dich nicht so “ führt beim Apple-System auch schon zum Start der Siri-Rufbereitschaft.

Lassen sich Smartspeaker zu Wanzen umbauen?

Zumindest theoretisch ließen sich Smartspeaker für einen Lauschangriff nutzen. Dafür wäre aber eine komplette Umprogrammierung der Betriebssoftware notwendig. Auch hier gibt das Prüflabor AV-Test Entwarnung: Die Datenübertragungen etwa von Amazon Alexa sei so gut verschlüsselt, dass ein Hack der Betriebssoftware höchst unwahrscheinlich erscheint. Die umfassende Verschlüsslung des Datenverkehrs zwischen Smartspeaker und Servern von Amazon, Google oder Apple ist auch im Interesse der Anbieter: Der Ruf der Unternehmen hängt davon ab, ob ihre Dienste und Geräte sicher funktionieren. Datenpannen schließt zwar kein Sicherheitsexperte aus (siehe Interview). Doch für Google oder Amazon sind die Daten ihrer Kunden mit das höchste Gut. Eine Manipulation der Geräte wäre für jeden dieser Anbieter mehr oder weniger ruinös. Ein gutes Beispiel dafür ist sicher der Datenskandal rund um Cambridge Analytica und Facebook: Nachdem die Social-Media-Firma durch die möglichen Auswertungen von Nutzerdaten für den US-Wahlkampf in Erklärungsnöte kam, hat sie die Einführung eines eigenen Smartspeakers auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir lernen: Vertrauen ist in diesem Bereich das wichtigste Gut.


Günter Martin Günter Martin von TÜV Rheinland verrät im Interview, was die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Betrieb von Smarthomes verändert.

 


Wer erfährt, was ich sage?

Eine Ansage an den Sprach-Service ist vergleichbar mit der Eingabe im Internet-Browser. Der jeweilige Empfänger – Amazon, Google, Apple oder ein anderer Anbieter – verarbeitet die Anfrage und speichert sie in der Regel auch. Was die Firma dort mit den gespeicherten Daten macht, unterscheidet sich je nach Geschäftsmodell und ist in den Nutzungs- und Datenschutzbedingungen nachzulesen: Amazon etwa speichert Anfragen an Alexa, um seinen Nutzern vermeintlich passende Produkte und Services aus dem eigenen Sortiment oder dem von Shop- oder Dienste- Partnern anzubieten. Google sammelt Daten aus der Sprachverbindung und bindet sie zusammen mit anderen Google-Diensten wie Suchmaschinen-Anfragen und Informationen etwa aus YouTube, Android- Smartphones und weiteren Diensten des Konzerns. Apple schließlich sammelt über alle Geräte aus eigenem Hause Daten, mit denen der Hersteller laut eigener Datenschutzerklärungen die Nutzung eben dieser Produkte optimieren möchte.Was wird gespeichert?

Welche Daten tatsächlich über die Smartspeaker auf die Server der Anbieter gelangen, ist indes nicht direkt nachvollziehbar: Selbst Profis können den Datenverkehr zwischen Smartspeakern und Servern nicht entziffern. Immerhin setzen die Anbieter auf Transparenz: Bei Amazon etwa lässt sich der Verlauf der eigenen Sprachbefehle und Fragen aufrufen. Einzelne Eingaben aus dem persönlichen Speicher kann man hier auch wieder löschen. Und Apple beschreibt bei allen möglichen Anwendungen die Nutzung von erfassten Daten. Solange die Server ver von Amazon & Co. nicht Opfer eines massiven Hackerangriffs werden, sind die Sprachdaten und Suchanfragen der Nutzer vor Fremden sicher.

Alexa Verlauf
In der Alexa-App kann man nachvollziehen, welche Befehle der Smartspeaker verstanden und an die Amazon-Cloud übertragen hat.

Das gilt auch für externe Services der Smartspeaker. Anbieter von Skills, mit denen sich etwa Smarthome-Systeme steuern lassen, erfahren kaum etwas aus dem Datenpool von Amazon oder Google: „Die Zugriffsrechte von Skills auf Daten des Nutzers sind stark eingeschränkt. Amazon bietet externen Entwicklern im Moment nur Zugriff auf zwei Datentypen – den Standort des Geräts und Notizlisten, die der Nutzer über Echo pflegen kann“, sagt Maik Morgenstern von AV-Test. Das ist nachvollziehbar: Diese Daten sind schließlich das Kapital der Anbieter. Amazon etwa verkauft diese lieber in Form von gezielter Kundenansprache als Partner selbst Informationen sammeln zu lassen.

Wem will ich alles sagen?

Keine Frage, die Sprachsteuerung bietet einen großen Komfortgewinn. Andererseits gibt man gerade im Smarthome eine ganze Menge Informationen preis, wenn Produkte von Amazon, Google oder Apple die Haustechnik steuern. „Allein aus der Lichtsteuerung lassen sich Lebensgewohnheiten ableiten: Beispielsweise wann ist der Nutzer zu Hause, wann steht er auf und wann geht er ins Bett,“ sagt Datenschutz-Experte Günter Martin vom TÜV Rheinland. Das sind viel mehr Informationen als sie Onlinedienste etwa aus normalen Browsereingaben am PC erfahren. Anfragen an die jeweiligen Systeme erfahren auch Anbieter externer Skills auf den Smartspeakern.

Apple Datenschutz
In Apple-Geräten und -Apps wird neuerdings recht detailliert darüber informiert, welche Daten die Anwendungen erheben und wie diese verwendet werden. Eine solche Transparenz fordert die neue Datensschutzgrundverordnung, die seit Ende Mai in Deutschland gilt.

Je nachdem, wie man sich bei dem zugehörigen Dienst registriert und welche Datenschutzbedingungen dieser hat, bekommt er auch Zugriff auf weitere Informationen, die er mit den Spracheingaben verbinden kann. So kann beispielsweise eine Anwendung zum Versenden von Nachrichten auf das Adressbuch des Nutzers zugreifen – genau wie entsprechende Apps auf dem Smartphone. Verbraucherschützer fordern Nutzer dazu auf, vor der Installation stets auf die Datenschutzbedingungen zu achten: Skills sollten – ebenso wie Apps im Smartphone – nur solche Daten abfragen und speichern, die für ihre Kernfunktion notwendig sind. Eine Musik-App etwa muss die Adressliste des Nutzers nicht sehen. Die gute Nachricht: Seit dem 25. Mai 2018 gilt eine neue Datenschutzgrundverordnung, die gerade für vernetzte Geräte eine weitreichende Transparenz bei der Nutzung persönlicher Daten vorschreibt. Alles wichtige darüber steht im Gastbeitrag von TÜV-Rheinland Experte Günter Martin: Daten sind das smarte Öl und daher zu schützen.

Das sagt der Experte:

Maik Morgenstern
Maik Morgenstern, Geschäftsführer von AV-Test

"Durch die sichere Verschlüsselung können wir nicht sagen, welche Daten tatsächlich an Amazon übertragen werden."

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