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So kommt das Smarthome aus dem Lichschalter

03.02.2020

Ein intelligentes Haus erfordert eine komplett andere Elektroinstallation? Von wegen! Viele Smarthome-Innovationen verschwinden derzeit hinter den bekannten Wandschaltern für Licht, Rollos und andere Aufgaben. Lesen Sie hier alles über intelligente Wandtaster und andere „Schalternativen“.

In dem brandneuen Haus der Familie Russ verbergen sich unter den vollverglasten Giebel jede Menge vernetzte Technik und Smarthome-Steuerungen. Die Elektroninstallation des Einfamilienhauses wurde aber weitgehend klassisch aus Stromkreisen, Wandsteckdosen, schalt- oder dimmbaren Lichtauslässen und Jalousienanschlüssen umgesetzt. Um das Licht an der Decke einzuschalten, wird nach wie vor ein Stromkreis in der benachbarten Wand geschlossen. Es ziehen sich auch keine Steuerungs-Busleitungen kreuz und quer durch das Haus.


Zur Reportage: Altersgerecht, individuell und smart vernetzt bis ins kleinste Detail


Die Intelligenz der hier eingesetzten Technik  steckt in der Wand selbst – genauer gesagt: in den Schaltern und Dimmern. Sie schalten ihre angeschlossenen Verbraucher elektronisch ein und aus. Sie tun dies wahlweise über einen Tastendruck am Schalter selbst oder, per Funk angestoßen, über einen Taster-Befehl an einem anderen Schalter. Oder über ein zentrales Steuerungsgerät oder die zugehörige App, von wo aus der Befehl ebenfalls per Funk an die jeweilige Schaltstelle gelangt.

Smarthome Automatik aus der Dose

So bleibt in der Elektroinstallation im Haus zunächst einmal alles beim Alten. Nur die Funktionen in den Installations-Einsätzen in der Wand wandeln sich – das Smarthome kommt sozusagen aus der Dose. Von billiger Konservenware kann indes kaum die Rede sein, denn die beteiligten Systeme sind höchst clever und modular aufgebaut. Der typische, vernetzbare Wandschalter besteht heute nämlich aus zwei Komponenten: ein elektronisches Schalt-, Dimm- oder Jalousienmodul, das in der Wand steckt, und ein passender Aufsatz, der sich darauf stecken lässt. Letzterer kann je nach System unterschiedliche Funktionen besitzen.

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Das Prinzip der variablen Schalter: In der Wand steckt die Elektronik für die eigentliche Schalt-Aufgabe. Davor sitzt ein Taster-Aufsatz, der wahlweise zur lokalen Programmierung oder für die Funk-Vernetzung zuständig ist (Foto: Jung).

Besonders flexibel ist hier beispielsweise das Schalterprogramm von Jung: Die elektronischen Schalter lassen sich wahlweise mit ganz normalen Tastern bestücken, welche einfach die Funktion des Wandmoduls auslösen. Daneben gibt es programmierbare Taster-Aufsätze, mit denen sich etwa bei der Jalousiesteuerung eine oder mehrere Lieblingspositionen anfahren lassen. Dabei bedient ein Taster auf Wunsch auch mehrere Jalousien oder Lichtkreise gemeinsam. Als weitere Möglichkeit bieten Gira und Jung Zeitschalt-Module an, in denen sich die Rollläden im gesamten Raum oder in der Etage nach Zeitplan abends schließen und morgens öffnen lassen. Schließlich bietet die Bluetooth-Funkvernetzung auch die Möglichkeit, die Programme aller per Funk erreichbaren Schalter vom Smartphone aus per App zu kontrollieren.

Diese Funktionen benötigen keine komplette Neuinstallation, sondern nur die passenden, elektronischen Schalter-Einsätze, wie es sie von Herstellern wie Jung, Gira oder auch Merten/Schneider gibt. Gerade bei Jung und Gira bieten die Schalter- und Funktions-Serien LB Management und System 3000 einen praktischen und unkomplizierten Einstieg in smarte Licht- und Rollladensteuerung.


Weiterlesen: Rollladen, Jalousien & Co automatisch steuern


E-Net Smart Home: Vernetzte Schalter mit Zentrale

So ist schon eine recht clevere Programmierung von Funktionen möglich, indem man etwa Leuchten oder Rollos gruppiert und per Zeitschaltung steuert. Ein vollwertiges Smarthome mit übergreifenden Szenen, Fernzugriff und App-Konfiguration ist das aber noch nicht. Dafür bieten sich auf einer technisch ähnlichen Basis funkbasierte Smarthome-Systeme wie etwa ­e-Net Smart Home an. Dieses System besteht ebenfalls aus smarten Schaltern in der Wand, die zusätzlich per Funk mit einer Steuerzentrale kommunizieren, die wiederum die einzelnen Funktionen zentral ansteuert.

Der e-Net Funkserver verwaltet also alle steuerbaren Komponenten, speichert übergreifende Szenen und ist mit dem Heimnetzwerk verbunden. Darüber lässt er sich auch per App steuern und baut eine Verbindung ins Internet auf. So kann er Online-Daten in seinen Steuerungen nutzen, etwa Wetterdaten oder die exakten Sonnenstände für den eigenen Standort.

Übers Netzwerk verbindet sich der Server auch mit anderen smarten Geräten. e-Net Smart Home etwa hat keine eigene automatische Heizungssteuerung, sondern setzt für dieses Thema auf Kooperation: Der Server  vernetzt sich auf Wunsch mit den intelligenten, ebenfalls per Funk gesteuerten Thermostaten von Tado. Weitere solcher Kooperationen sind in Planung, denn neben den Herstellern Jung und Gira sowie dem Heizungspartner Tado sind weitere Firmen wie Steinel, Brumberg oder Siedle in der e-Net-Allianz vertreten.

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So vernetzt sich e-Net Smart Home: Intern kommunizieren die verschiedenen Schalter und Aktoren im eigenen Funkprotokoll mit dem Server. Der kann über das Heimnetzwerk Partnersysteme in die gemeinsame Steuerung aufnehmen, etwa Tado. Ebenfalls übers Heimnetzwerk/WLAN ist die App verbunden.

Lesetipp: Sprachsteuerung jetzt auch mit e-Net Smart Home


e-Net Smart Home ist aber längst nicht das einzige System, das auf Basis vernetzter Schalter ein modular wachsendes und erweiterbares Smarthome-System aufbaut. Schneider Electric und seine deutsche Schalter-Marke Merten etwa hat mit Wiser Hometouch ein ähnliches Prinzip eingeführt: Alle elektronischen Taster, Schalter und Dimmer der Marke sind seit dem Modelljahr 2018 fit für die Vernetzung und lassen sich bei Bedarf mit Funkmodulen des Wiser-Systems ergänzen. Das Prinzip ist hier noch modularer: Die Funktaster erlauben Verbindungen mehrerer Schaltstellen ebenso wie eine Steuerung per Bluetooth und Wiser-App.

Sobald die zusätzliche Wiser Hometouch-Steuerungszentrale in das System integriert wird, lassen sich alle Funktionen im Haus zentral ansprechen – ähnlich wie mit dem e-Net Server. Während bei den Bluetooth- und e-Net-Systemen der Konkurrenz dafür ein Tausch der Funkmodule notwendig ist, stellt das Schneider-/Merten-System seine Kommunikation im Betrieb um: Einzelne Schalter kommunizieren per Bluetooth untereinander und mit der App, im Smarthome-System Wiser Hometouch sprechen die Komponenten im Smarthome-Funkstandard Zigbee miteinander.

Wiser Home Touch
Das Wiser-System von Schneider Electric und Merten ist technisch gesehen das Chamäleon unter den Funk-Tastern (Foto: Schneider Electric).

Mehr über die Wiser Home Touch:


Die Steuerung wächst mit

Der Clou an all diesen Systemen ist aber ähnlich: Man muss sich beim Einzug ins neue Haus keine Gedanken mehr machen, ob man vernetzte oder lieber erst einmal klassische Dimmer, Schalter und Jalousiesteuerungen einsetzen möchte. Die elektronischen Schalter-Einsätze verschiedener Hersteller wachsen mit ihren Aufgaben. Denn auch bei Gira und Jung sind eine ganze Reihe elektronischer Schalter und Dimmer der letzten Jahre bereits fit für die e-Net Smart Home Aufsätze. Wer auf das Funksystem aufrüsten möchte, der behält seine Installation in der Wand und ersetzt nur die Schalt- oder Dimmteile davor durch e-Net-Pendants. Das geht blitzschnell und macht keinen Dreck. Im Programm von Jung gibt es eine weitere Besonderheit: Neuerdings lassen sich die per Blue­tooth steuerbaren Komponenten des LB Managements ebenfalls durch bloßes Umstecken der Funk-Aufsätze fit für das e-Net Smarthome-System machen. Doch die smarten System-Lösungen der großen Schalterhersteller sind längst nicht die einzigen Optionen, um Taster und Schalter in der Wand mit automatischen Steuerungsfunktionen und Zeitprogrammen zu vernetzen.

Noch mehr smarte Schalter

Für Haushalte, in denen schon das eine oder andere vernetzte Produkt installiert ist, bieten sich auch Alternativen aus anderen Systemwelten an. Wer etwa die beliebten Philips Hue LED-Leuchten nutzt, der setzt lieber auf Schalter, die speziell für dieses System ausgelegt sind – oder für eine der übergreifenden Smarthome-Plattformen wie Apple Homekit. Für beide Varianten gibt es smarte Wandschalter, zumal sich die Philips-Leuchten über viele Smarthome-Systeme ansteuern lassen.

Weiteres Beispiel: In Fertighäusern sind häufig funkgesteuerte Rollladenmotoren einschließlich Funkschaltern in der Wand installiert. Da ist es logisch, auch die weitergehende Smarthome-Technik auf der selben Basis einzurichten – etwa mit der Technik von Somfy. Rollladenmotoren von Somfy werden in aller Regel per Funk von einem Wandschalter aus bedient. Der hat bereits eine kleine Automatik integriert. Wer die Beschattung automatisieren oder per App fernsteuern möchte, der verbindet alle Rollos und weitere Komponenten im Haus mit dem zugehörigen Smarthome-System Tahoma von Somfy. Das verbindet dann die Beschattung mit unzähligen weiteren Komponenten in verschiedenen Funkstandards.

Weitere vernetzbare Schalter: Die britische Firma Lightwave z. B. hat eine wirklich interessante Installationslösung im Angebot – mal abgesehen von der gewöhnungsbedürftigen Optik. Die Schalter vernetzen sich per Funk über einen zentralen Hub mit dem WLAN und unterstützen dabei alle drei großen Plattformen: Amazon Alexa, Google Home und Apple Homekit. Dazu bietet Lightwave auch eine schaltbare Einbau-Steckdose, um etwa die Stehlampe mit in die Lichtsteuerung einzubinden.

Lightwave
Leider im diskussionswürdigen Design: Die Homekit-, Alexa- und Google Home-kompatiblen Schalter der Britischen Firma Lightwave (Foto: Lightwave).

Der WLAN-Schalter des italienischen Herstellers Iotty ändert mit seinem Touch-Bedienfeld aus Glas zwar das Design im Raum, aber zunächst einmal nichts an der Funktion dahinter: Man schaltet weiter beliebige Leuchten ein und aus. Doch das klappt dank direkter WLAN-Anbindung nun auch über Automatiken – nach Zeitplan oder Sonnenauf- und -untergang, beim Heimkommen oder über den Iotty-Account auch von außerhalb. Da die Schalter direkt per WLAN vernetzt sind, ist keine zusätzliche Bridge notwendig. Der Schalter lässt sich über Plattformen wie Amazon Alexa, Google Home oder IFTTT auch mit anderen vernetzten Produkten verbinden. Mit dem Samsung-System Smart Things ist der Schalter sogar direkt kompatibel. 

Iotty
Viel mehr als ein Schalter: Stimmen Sie Ihre Lichter auf die Umgebung ab, schalten Sie sie ein, basierend auf der Sonne, dem Wetter, Ihrem Standort, etc. (Foto: Iotty).

Weiterlesen: iotty – WLAN Lichtschalter zum Nachrüsten


Der Eve Light Switch besteht aus einem kompletten Einsatz und schaltet einen 230-Volt Verbraucher – manuell am Taster oder auch per Homekit-App oder Automatik gesteuert. Über analoge Schalteingänge lässt er sich auch von weiteren analogen Schaltern ansteuern – praktisch, um etwa in einem Flur wie bisher das Licht über mehrere Schalter zu kontrollieren. An die Integration haben die Eve-Macher auch gedacht: Neben dem Standard-Design gibt es den Eve Light Switch auch mit Adaptern, um die verbreiteten Schalterdesings von Gira, Jung und Busch-Jaeger zu verwenden.

Eve Light Switch
Mit dem Eve Light Switch traut sich der Anbieter von Homekit-Nachrüstprodukten erstmals in die Unterputz-Installation (Foto: Eve Home).

Und schließlich lässt sich auch eine ganz klassische Installation mit rein mechanischen Kippschaltern vernetzen. Zu diesem Zweck haben praktisch alle Smarthome-Funksysteme neben Schalter-Einsätzen und Funk-Aufsätzen auch sogenannte Funkpillen im Programm. Die lassen sich platzsparend und unsichtbar hinter den Schaltereinsatz in die Installationsdose versenken. Sie hauchen selbst dem ältesten Backelit-Drehschalter die digitale Intelligenz des 21. Jahrhunderts ein. Es gibt sie also, die schlauen Schalternativen.

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